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Ich war nie ein Mädchen

Autor: Raphael (Fio)

 

Größe – 1,77m – Für einen Mann etwas klein aber ganz okay. Ich war immer der Meinung ein Mann müsse min. 1,80m sein. Weil es Standard ist.

Gewicht – 90 kg – Noch. Ich pendle immer zwischen 90 und 95. Ich esse einfach viel zu gern. Noch viel lieber koche ich gern. Wird auch irgendwie besser.

Haare – Dunkelbraun, Sidecut – Finde ich voll okay. Mit Bart würde es noch besser aussehen.

Augen – Blau-grau – Ich mag eigentlich dunkle Augen lieber.

Kleidungsstil – bequem – manchmal Springerstiefel, enge Hose und schwarz schwarz schwarz. Ich mag einen Mix aus Gothic, Punk und Hipster.

Es ist Jahre her, dass ich mich halbwegs wohl gefühlt habe in die Öffentlichkeit zu gehen. Mag daran liegen, dass ich mich so kleide wie ich mich empfinde. Als Mann.
Ich freue mich jedes Mal wie ein Schneekönig, wenn mich jemand als Kerl erkennt.

In meinem Bekanntenkreis wissen einige von meinem Weg den ich eingeschlagen habe (Die Mädels aus meinem Lieblings-Klamottengeschäft, meine Friseurin, mein Hausarzt, meine Cousine..). Ich erhalte dafür teilweise sogar Bewunderung. Andere (wie mein Hausarzt) sehen auf einmal ein bisschen klarer, weil viele Dinge einen Sinn ergeben. Meine Depressionen. Meine Art. Mein Ekel vor mir selbst. – Ich werde mich nie wieder in eine Form quetschen lassen, der ich nicht entsprechen will. Ich war nie ein Mädchen!

Trotzdem habe ich in der Vergangenheit immer wieder zwanghaft versucht mich anzupassen. Aber ein Freund von mir hat recht: „Wie wäre es, wenn du einfach mal du selbst bist?“
Ich habe Jahre warten müssen um einem Menschen zu begegnen, der mir gesagt hat: „Du bist gut so wie du jetzt bist. Ich mag dich genauso – egal ob du dich entscheidest Mann oder Frau zu sein.“
So viele Menschen kommen und gehen in unserem Leben. Manche von ihnen haben in meinem Leben Spuren hinterlassen, die ich niemals vergessen werde. Gute … und schlechte.
Ich bin froh, dass ich damals Julien begegnet bin.
Ein Star Wars Fan wie ich würde jetzt sagen: Die Macht wollte es so!

Dass ich Julien habe helfen können, hat auch mir geholfen, den Weg wieder zu mir zurück zu finden. Es tut gut zu wissen, dass da jemand ist, der mir Arschtritte in die richtige Richtung gibt. Dank Julien bin ich auch ein ganzes Stück ehrlicher geworden. Auch zu mir selbst.

Heute stehe ich hier und kann den Weg, den ich schon einmal angefangen habe endlich fortsetzen. Drei, fast vier Jahre später. Und diesmal lasse ich mich nicht von meinem Ziel abbringen. Ich bin in Bonn bei einem privaten Therapeuten unter gekommen. Na ja fast. Er hat keine Krankenkassenzulassung und so muss ich auf eine Bewilligung des Kostenerstattungsverfahren durch meine Krankenkasse hoffen. Der Antrag ist auf dem Weg. Es geht endlich voran. Ich weiß worauf ich achten muss. Trotzdem werde ich ungeduldig.

Nach Therapiebeginn soll es sechs Monate dauern, bis er mir die Indikation für Hormone aushändigt… Nicht wenn ich das beschleunigen kann ! Ich werde ihn von meinem Weg überzeugen. Meine Lasten der Vergangenheit abstreifen und ein neues, befreiteres Leben leben.

Natürlich besteht trotzdem Gefahr, dass meine Krankenkasse ablehnt… das hoffe ich nicht.
Ich komme mit diesem Therapeuten gut zurecht.

Soweit zu mir.

Grüße
Raphael (Fio)

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