Eigentlich gibt es nun nicht mehr so viel zu berichten, außer dass ich nach meinem Urlaub das Thema GaOP in Angriff nehmen möchte. Dazu hatte ich meinen ersten Therapiebesuch bei meiner neuen Therapeutin, die nun alle 14 Tage Zeit für mich hat. Dann werde ich einen Brief mit der Bitte um Kostenübernahme an meine Krankenkasse schicken.
Heute musste ich wieder weinen, weil ich meinen zweiten Termin zur Bartentfernung wahrgenommen hatte. Diese Blitzlampe (ELOS) frisst sich aber auch erbarmungslos in die Haut, um eben die lästigen Barthaare zu erwischen und mit den Wurzeln zu veröden.
Auch die letzten Versicherungspolicen werden jetzt in den nächsten Tagen eintrudeln. Wie ich am Telefon erfahren konnte, gab es Probleme bei der Änderung des Geschlechts. Die Programme schmeißen gleich neue Tarife aus, wenn das Kreuz nicht mehr bei "Männlich" sondern bei "Weiblich" steht. Aber auch die Sachbearbeiterin bestätigte mir, dass ja die Person die gleiche bleibt und somit der Vertrag 1:1 übernommen wird. Also musste das Programm bei der Versicherung ausgetrickst werden. Schade, dass sich das Programm nicht bei der Sparkasse austricksen lässt, denn da steht ja nun "Frauen" und nicht mehr "Eheleute" (siehe hier ).
Zähneknirschend habe ich den Betrag an die Gerichtskasse für die Gerichtskosten/Gutachter überwiesen. Okay, ich wusste ja was auf mich zukommt, aber hoffentlich wird das Transsexuellen-Gesetz (TSG) dahin gehend geändert, dass nur noch ein Gutachter und ein zweites Schreiben von der behandelnden Gutachterin reicht. Nun, wir vom Gendertreff arbeiten mit an einem neuen Entwurf und hoffen, dass wir auch gehört werden.
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Gerade komme ich vom Besuch beim Amtsarzt. Der Termin wurde schon letzte Woche vereinbart. Anfangs noch (immer) etwas kribbelig sowohl im Bauch als auch in den Beinen ging ich hin. Netterweise wurde mir dies während meiner normalen Dienstzeit gestattet. Gerechnet habe ich mit einem Zeitaufwand alles in allem mit runden zwei, dreieinhalb Stunden. Gedauert hat es gerade mal dreißig Minuten.
Und ehrlich gesagt, hätte ich mir das alles auch sparen können. Obwohl die Begrüßung schon bei der Anmeldung sehr lieb war („Ah, Frau F., schön dass sie schon da sind, warten Sie noch kurz draußen“) und mich später auch der Arzt richtig mit Frau F. ansprach, war die Untersuchung mehr/minder für die Katz.
Denn nach der Kurzanamnese, in der ich den bisherigen Verlauf meiner Transsexualität schilderte, und zwei, drei Fragen des Doktors geschah bis auf Blutdruckmessen und Fragen nach Gewicht, Alkohol und meinem derzeitigen Befinden als Frau nichts mehr.
Vor der Verabschiedung meinte dann der Arzt noch, ich solle selbst bei weiteren Fachärzten vorsprechen. Entweder beim Hausarzt oder gleich zu den richtigen Stellen (????) gehen. Das wars dann. Noch ein nettes „Auf Wiedersehen Frau F.“ und „vergessen Sie nicht die Besuchsbestätigung“, fertig.
Naja, mal schauen, wie ich demnächst verfahren werde.
Jedenfalls geht es mir zur Zeit so gut wie schon lange nicht mehr. Es ist ein so beglückendes Gefühl als Frau in die Arbeit gehen zu können, einzukaufen oder einfach raus zu gehen. Auch heute wieder waren drei Mails in meinem Arbeits-PC die mir bestätigten, dass alles richtig war, was ich bisher getan habe. Und mit den Kollegen/innen werden Gespräche geführt, die keinerlei Gründe für "Mobbing" hergeben. Dienstlich, korrekt und knapp, privat in der Pause fast immer auf die Thematik bezogen. Wie ich mich fühle, wo ich einkaufe, ob ich diesen Film gesehen habe usw. usf. Auch Fragen nach meinem Gewicht wurden schon gestellt. "Wie machst du das nur?" als ich ihnen voller Stolz erzählte, dass ich innerhalb von drei Wochen von 67 auf 63kg kam.
Grummelig wird mir nur vor heute Abend und vor dem morgigen Tag. Da stehen nochmals ein Outinggespräch mit meiner Schwester, der Schwester meiner Frau und den Schwiegereltern bevor. Aber auch das wird schon gut gehen. Und damit reicht es dann mit dem Bekanntgeben meiner Transsexualität.
LG
Chrissie
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Sonntag stand wieder mal ein Outen bevor. Oh Gott, irgendeinmal wird das auch vorübergehen. Bei unseren älteren Nachbarn gab es zwar mehrere argwöhnische Blicke, als ich, diesmal alleine, vorsprach. Das legte sich jedoch, sobald sie meine Geschichte erfuhren. Und verabschiedet wurde ich eigentlich ganz nett und mit der korrekten Ansprache „Frau“. Ist schon klasse, wie „ältere Herrschaften“ mit dieser Thematik umgehen können.
Weniger gut fiel das outen bei meinen beiden männlichen „Freunden“ aus. Gelinde gesagt war´s ein Horrortrip. Telefonisch angekündigt waren beide zusammengekommen. Und als ich auf das Thema „Transsexualität“ kam, dämmerte es ihnen, dass es sich ja um mich persönlich handeln müsste.
Obwohl sehr androgyn gekleidet, entstanden mir die heftigsten Vorwürfe. Ob ich nicht alle Tassen im Schrank hätte, was das alles soll, wie man so in die Gosse kommen kann usw. Bereits nach knapp einer Dreiviertelstunde verabschiedete ich mich von ihnen, sicher für immer, und fuhr desillusioniert nach Hause.
Dass man sich so, nach Jahren vermeintlicher Freundschaft, in seinen „Freunden“ täuschen kann, geht mir heute noch zu Herzen und macht mir ganz schön zu schaffen. Daheim nahm mich meine Frau in die Arme und tröstete mich so gut es ging. Aber daran knabbern werde ich wohl noch lange.
Fast hätte ich vergessen dies noch zu schreiben. Heute in der Arbeit bat mich meine Vorgesetzte zu sich. Sie teilte mir mit, dass sie, wenn ich einverstanden wäre, meine Personalakte von derzeit „Herr und Er“ auf „Frau und Sie“ geändert werden könnte. Ich war derart baff, dass mich meine Vorgesetzte zweimal ansprach ob ich dies wolle.
Meine Frage, ob denn das auch rechtlich möglich sei, beantwortete sie damit, dass die Erkundigungen die sie eingeholt hatte, dies zulassen. In etwa „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Und dass ein beigefügtes amtliches Blatt in meiner Personalakte meine neue Identität beschreibt und ebenso beigefügt wird, dass dies „unter Vorbehalt“ geschieht solange nichts amtliches bescheinigt wird.
Natürlich willigte ich gerne ein. Dass es so was überhaupt gibt, ist/war mir völlig neu. Gut, so sehr habe ich mich darüber auch nicht informiert. Aber ich finde es ganz toll von meiner Chefin, dass sie mir dieses Angebot überhaupt gemacht hat.
LG
Chrissie
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Wochenende. Mein Gott, wie die Zeit vergeht. Seit Montag kleide ich mich ausschließlich als Frau. Auch in der Arbeit und der Freizeit. Und alles läuft so harmonisch ab, dass es kaum zu glauben ist. Trotz allem werde ich behutsam langsam aber doch weiter meinen Weg gehen.
Wenn ich zurückdenke an die letzten Monate, wie unausgeglichen, gar nervig ich mit meiner Liebsten und anderen umgegangen bin, bin ich heute die glücklichste und ausgeglichenste Person. Hängt´s damit zusammen, dass ich nun zu meiner Transsexualität stehe?
Bereits morgens stehe ich glücklich und innerlich so tief zufrieden auf, wie es seit "Jahrhunderten" nicht mehr der Fall war. Dann die tief verwurzelte Freude aufs Schminken, Ankleiden usw. Das gemeinsame Frühstück mit immer noch so lieben Komplimenten meiner Frau. Die Fahrt zur Arbeit ohne Hektik und bösen Gedanken, wenn ich mal im Stau stehe. Die Arbeit selbst mit meinen so netten und lieben Kolleginnen. Oft denke ich daran, welch dumme Kuh ich war, dass ich solange gewartet habe zu dem zu stehen was ich eigentlich immer war. Soviel Jahre hergeschenkt und verschleudert zu haben. Brrrrrrrr.
Sorry, ihr Lieben. Musste ich mir mal von der Seele schreiben.
Gestern wurden meine Frau und ich ganz spontan von Sabine (Nachbarin) abends eingeladen auf ein, zwei Gläser Wein. Hier lernte auch Sabines Tochter mich als Chrissie kennen. Keine negative Reaktion. Eher stillschweigende Neugier, die sicher irgendwann in Fragen enden wird. Es war ein sehr schöner Abend. Voller Harmonie. Und die Gespräche gingen weit über das hinaus, was allgemein als "Weibergequatsche" bezeichnet wird. Ich glaube auch, dass meine Liebste froh ist, sich mit jemanden austauschen zu können. Und dabei wird es auch um meine Wenigkeit gehen. Und mir tut es auch gut, wenn wir drei uns so toll verstehen. Jedenfalls sind wir uns gestern Abend ein ganzes Stück weit emotional näher gekommen.
Euch allen ein ganz harmonisches und liebes Wochenende
LG
Chrissie
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Die letzten beiden Tage verliefen so normal, als wäre es das Normalste, Transsexuelle zu sein. Die Arbeit macht immer mehr Spaß. Obwohl das tägliche Anziehen von Damenkleidung, das Schminken und Herrichten schon ab und an stressig werden kann. Aber auch noch so kleine Komplimente von meiner Liebsten oder der einen oder anderen Arbeitskollegin entschädigen dafür tausendfach.
Demnächst werde ich bei unserem Amtsarzt vorstellig. Es soll ja alles nach „behördlichen Richtlinien“ laufen. Sicher nur ein kurzer Besuch, denn zur weiteren Behandlung wird er mich sicher zu meinem Hausarzt oder wohin auch immer schicken.
Abzeichnen wird sich aber sicher, dass ich nicht die geschlechtsangleichende Operation machen werde. Die Risiken, nicht nur meines fortgeschrittenen Alters, sind mir einfach zu hoch. Gut, das schreibe ich heute. Wie´s denn mit meiner Gefühlswelt erst ausschaut, wenn die Hormone kommen und wirken ist eine andere Sache.
Ebenso bald schaue ich, dass mit der Epilation begonnen werden kann. Gott sei Dank habe ich kaum Haarwuchs am Körper. Einmaliges „Säubern“ im Monat reicht locker. Aber der blöde Bart geht mir schon auf die Nerven.
Am Wochenende wird sich Chrissie noch bei den restlichen Leuten vorstellen, die mich noch nicht so kennen. Ich fühle, dass das noch mal ganz schön schwer werden wird. Obwohl ich mich heute schon darauf freue. Verrückt, aber so ist´s nun mal.
Ach ja. Die „leidlich weiblichen" Eigenschaften, nämlich Hausarbeiten, darf ich jetzt auf Bitten meiner Liebsten auch übernehmen. Bis auf’s bügeln (wird mir noch beigebracht) also die Tätigkeiten, die Frau ja liebend gerne macht.
Liebe Grüße
Chrissie
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