DEFINITION

In einer Erhebung, die 1983 für die alten Bundesländer erstellt wurde, wird von 6.000 bis 8.000 transidenten Menschen gesprochen. Diese Zahlen müssen jedoch falsch sein, denn es wurden nur chirurgisch Behandelte erfasst und Operationen, die im Ausland stattfanden, sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Ebenso fehlen Personen, die für sich eine stabile Lösung oder Zwischenlösung ohne Operation gefunden haben, unabhängig davon, wie lange diese hält.

Nach den heute zugänglichen Statistiken und Hochrechnungen, gestützt auf Untersuchungen in den USA, bzw. den Niederlanden, soll es in der Bundesrepublik ca. 170.000 (0,2%) transidente Menschen geben. Viele dieser Personen aller Entwicklungsstadien, vom ersten Erkennen der eigenen Transidentität bis hin zum vollständig operierten Transidenten, leben in der Anonymität und können deshalb von Statistiken nicht erfasst werden. So wird heutzutage laut Schätzung von einer viel höheren Anzahl transidenter Personen ausgegangen, die bei ca. 5% der deutschen Bevölkerung liegt, Mann-zu-Frau und Frau-zu-Mann zusammen genommen.
Laut neuesten Auswertungen (2013) ist jeder 1000. Mann-zu-Frau (MzF) und jede 2000. Frau-zu-Mann (FzM).

Kein Mensch macht sich selbst, d.h. als transidenter Mensch wird man geboren, festgelegt bei der Entwicklung im Mutterleib.

Transidentität lässt sich weder an-erziehen noch weg-therapieren!

Mitunter bestehen in der Allgemeinheit Vorurteile, die es abzubauen gilt, z.B.:

„Transgender sind schwul.“
„Transgender sind schrill, laut und tuntig.“
„Transgender wollen sich umoperieren lassen.“

Schon Bezeichnungen wie „Transe“ oder „Transvestit“ passen nicht wirklich und stellen Verallgemeinerungen dar die zeigen, dass große Teile der Gesellschaft sehr wenig über Transgender wissen. Aber was ist denn nun ein Transgender ?

Der Begriff „Transgender“ bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht nicht mit ihrem gefühlten Geschlecht übereinstimmt. Salopp könte man auch sagen: „Transgender fühlen sich im falschen Körper“. Diese einfache Definition verwenden wir auch in unserem Flyer für Interessierte , mit dem wir der interessierten Öffentlichkeit einen Einstieg in das komplexe Thema der Transidentität geben möchten.Transgender sind keine Modeerscheinung der Neuzeit. Transgender hat es in allen Epochen der menschlichen Geschichte und in allen Kulturen gegeben. Transidentität wird wissenschaftlich erforscht. Die Diagnose der Transgender-Eigenschaft richtet sich in Deutschland nach der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD.

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>> Transgender in der Geschichte
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Andere bekannte Begriffe im Zusammenhang mit dem Thema „Transgender“ sind „Crossdresser“, „Transvestit“, „Transsexualität“ oder „Transidentität“. Im allgemeinen Sprachgebrauch können folgende Unterscheidungen für Menschen getroffen werden, die sich im weitesten Sinne der Transgender-Eigenschaft zuordnen lassen:

Crossdresser:
Der Begriff „Crossdressing“ bezeichnet allgemein das Tragen der Kleidung des gegenläufigen Geschlechts. Dabei ist es unerheblich, welche Motive ein Crossdresser hat. Crossdressing kann Ausdruck der Transgender-Eigenschaft sein. Andere Motivationen reichen von bloßen Verkleidungen über Auftritte in Filmen oder Theatern bis hin zu politisch motiviertem Crosdressing, rituellen Handlungen oder erotischer Stimulanz durch das Tragen der gegengeschlechtlichen Kleidung (Fetischismus).

Transvestit:
Der Begriff „Transvestismus“ bezeichnet das Tragen der Kleidung des gegenläufigen Geschlechts als Ausdruck der eigenen Geschlchtsidentität. Der Begriff wurde vom Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld 1910 geprägt und entspricht heute am ehesten dem Begriff „Transgender“.

Transsexualität (–> Transidentität):
Ein_e Transsexuelle_r fühlt sich dem falschen Geschlecht zugehörig und will sich möglichst komplett dem Identitätsgeschlecht angleichen lassen. Dies geschieht durch Hormontherapie. Viele Transsexuelle streben eine geschlechtsangleichende Operation (GaOP) an.
Der Begriff „Transsexualität“ ist irreführend, weil er in dem Sinne nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun hat, sondern mit dem gefühlten bzw. psychologischen Geschlecht. Besser ist es, in diesem Zusammenhang den Begriff „Transidentität“ zu benutzen, weil die Identität eine andere oder eine nicht eindeutige ist.

Da die Grenzen zwischen den oben beschriebenen Kategorien fließend sind, sprechen wir im Gendertreff allgemein von Transgendern. So ist es vielen Transgendern beispielsweise aus beruflichen und /oder familiären Gründen nicht immer möglich, ganz in ihrem Identitätsgeschlecht zu leben. Viele haben sich mit „Teillösungen“ arrangiert.

Während in der Öffentlichkeit beim Begriff „Transgender“ vielfach die Assoziation zum „Mann in Frauenkleidern“ besteht, ist die Transgender-Eigenschaft in Wahrheit unabhängig vom körperlichen Geschlecht. Das bedeutet: Es gibt sowohl Frauen, deren psychologisches Geschlecht männlich ist als auch Männer, deren psychologisches Geschlecht weiblich ist. Demnach spricht man im ersten Fall von Frau-zu-Mann-Transgendern (FzM) bzw. Transmännern. Ist das körperliche Ursprungsgeschlecht männlich, das psychologische Geschlecht dagegen weiblich, spricht man von Mann-zu-Frau-Transgendern (MzF) bzw. Transfrauen.

Die Transgender-Eigenschaft ist unabhängig von der sexuellen Orientierung. Es ist demnach ein Irrglaube, dass Transgender homosexuell wären. Ohnehin setzt die Unterscheidung zwischen homosexuell und heterosexuell ein bipolares Geschlechtermodell voraus, das es jedoch de facto nicht gibt. Überspitzt formuliert ist die Beantwortung der folgenden Frage demnach gar nicht so einfach: Ist ein Mann-zu-Frau-Transgender ein heterosexueller Mann mit einer weiblichen Psyche oder eine homosexuelle Frau, die in einem Männerkörper leben muss? Ausgehend vom klassischen Verständnis sind die meisten Transgender heterosexuell. Homosexualität und Heterosexualität verteilen sich auf die Gesamtheit der Transgender wie unter anderen Menschen auch.

Der Gendertreff hat sich zum Ziel gesetzt, Aufklärungsarbeit zu leisten und Transgendern, Angehörigen und Interessierten eine Plattform zum Austausch und zum Kennenlernen zu bieten. Denn unsere Erfahrungen zeigen, dass die Wirklichkeit vielfältiger als die oben genannten Kategorien ist.

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