Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Hormonstörung im Mutterleib?

Ist es ein hormonelles Ungleichgewicht während der Embryonalentwicklung, dass dazu beiträgt, dass ein Mensch transsexuell geboren wird?

Für die Wissenschaft ist Transsexualität rätselhaft, weil sich Transsexuelle genetisch, hormonell und anatomisch eindeutig einem Geschlecht zuordnen lassen – jedoch nicht dem, mit dem sie leben wollen. Einer Studie nach verspüren Männer eher den Wunsch, als Frau zu leben, wenn sie als Kind im Mutterleib einem niedrigen Spiegel männlicher Geschlechtshormone ausgesetzt waren.

Im Max-Planck-Institut wurde die Hypothese überprüft, dass Hormonstörungen für Transsexualität mitverantwortlich sind. Dazu bestimmten sie bei mehr als 100 Transsexuellen das Verhältnis der Länge von Zeige- zu Ringfinger. Die Differenz ist umso größer, je weniger männliche Geschlechtshormone – sogenannte Androgene – während der vorgeburtlichen Entwicklung auf ein Kind einwirken. Männer wünschen sich öfter ins andere Geschlecht als Frauen.

Bei Transsexuellen fanden die Forscher eine andere Relation der Fingerlänge als bei Männern, die sich auch als solche fühlen. Die Fingergröße der Transsexuellen entsprach in etwa der von heterosexuellen Frauen. Das zeigt, dass sie im Mutterleib geringeren Mengen Androgen ausgesetzt waren als der Durchschnittsmann.

Etwa einer von 12 000 Männern wünscht sich, eine Frau zu sein – obwohl sein biologisches Geschlecht eindeutig männlich ist. Bei Frauen ist die Transsexualität seltener, etwa eine von 30 000 biologischen Frauen wäre lieber als Mann geboren.

Der Wunsch, das Geschlecht zu wechseln, ist meist stark ausgeprägt, oft geradezu kompromisslos. Viele berichten, dass sie schon als Kind das Gefühl hatten, im falschen Geschlecht zu leben. Mitunter versuchten sie, ihr biologisches Geschlecht nach außen zu verbergen. Nicht selten kommt es zu Selbstverstümmelungen, Depressionen oder Suizidversuchen.

Es wird weiter an den Ursachen geforscht, um besser auf die Bedürfnisse eingehen zu können und besser in der Lage zu sein, sie therapeutisch zu unterstützen.

>> Zur Inhaltsübersicht