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Ein Wochenende in Belgien (Teil 2)

Zweiter Tag: Brügge und Wenduine

Erlebt und geschrieben von Gitta

Am Samstag, dem 08. August 2009 wurde unser Reporter schon im Morgengrauen wach. Er hatte die Nacht im Garten des Ferienhäuschens im Sunpark verbracht, versteckt zwischen den Bäumen, um nicht gesehen zu werden.

Aber auch im Haus Nr. 529 war schon Bewegung, es war die Frühaufsteherin Hannelore, die es nicht mehr im Bett aushielt. Sie stand auf, ging ins Bad und machte sich fertig. Gegen sieben Uhr verließ sie dann eilends das Haus, wollte sie denn schon wieder abreisen? Aber nein, ihr Weg führte sie in den Supermarkt des Parks, um die erste zu sein und so noch die größte Auswahl an Brötchen zu finden. Sie kaufte also Brötchen für alle und stöckelte durch den verschlafenen Park zurück zum Bungalow. Hier schliefen noch alle tief und fest, während die „Mutter der Kompanie“ versuchte, mit der Kaffeemaschine Freundschaft zu schließen. Bald durchströmte ein wunderbarer Kaffeeduft die Villa, und schon kamen auch die ersten Verschlafenen die Treppe herunter. Zuerst war es Gitta, ihre Handtücher warf sie irgendwohin und begab sich im Bademantel auf die Terrasse. Ja sie genoss den frischen Morgen, rauchte eine erste Zigarette und wollte ins Bad.

Aber inzwischen waren auch Ava und Ginny munter geworden, und hatten ihrerseits bereits die beiden Badezimmer in Beschlag genommen. Auch Xenia war inzwischen aufgestanden und machte sich daran, einen großen Topf Eier zu kochen. Hannelore deckte inzwischen liebevoll den Frühstückstisch auf der Terrasse und langsam löste sich auch der Stau vor den Bädern auf. Hydra strahlte mit der Sonne um die Wette, denn als sie herauskam, war schon alles fertig. Nur Rita und Frau Rita fehlten noch. Aber bald kamen auch diese beiden und das erste gemeinsame Frühstück konnte beginnen.

Sie ließen sich Zeit, denn schließlich hatten sie ja Urlaub. Anschließend wurde aufgeräumt und eine jede machte sich auf ihre Weise ausgehfertig. Einige mussten sich noch schminken, andere das Ausgehkleid anziehen, nur Gitta trödelte mal wieder herum. Als alle fertig waren und aufbrechen wollten, saß sie immer noch im Garten und lackierte in aller Ruhe ihre Fingernägel. Der Lack wollte und wollte doch nicht trocknen, und umziehen musste sie sich auch noch. Hatte ihr denn noch niemand die richtige Reihenfolge erklärt, dass man die Nägel zuletzt machen sollte?

Aber gegen Mittag war es dann endlich soweit, doch als sie losgehen wollte, ereilte Hannelore ein Migräneanfall und sie musste leider zu Hause bleiben, um das Bett zu hüten und sich auszukurieren.

Die restlichen sieben verließen den Park und stöckelten mehr oder weniger langsam zur nächsten Straßenbahnhaltestelle, die ungefähr genauso weit entfernt war, wie am Tag vorher der Strand. Und wie immer verpassten sie natürlich wieder die Bahn.

Aber an der Küste ist das kein Problem, denn die Küstenbahn verkehrt ja auch nur nach „theoretischem Fahrplan“ und schon bald kam die nächste. Sie stiegen ein, Ginny ging nach vorne und löste Fahrkarten für alle. Zunächst ging die Fahrt nach Blankenberge. Dort angekommen, versammelten sie sich und zählten durch. Ja, es fehlte eine und wer konnte es sein, natürlich, es war mal wieder Ava, die das nächstbeste Restaurant aufsuchte, hatte sie doch am Morgen zuviel von Hannelores leckerem Kaffee getrunken. Aber nach einer Weile waren sie wieder komplett und die Damen stolzierten in den Blankenberger Bahnhof, wo bereits die nächste Hürde auf sie wartete. Es war der Fahrkartenautomat, der den sieben Fragezeichen auf die Stirn zauberte. Derweil ging Gitta zum Schalter, besorgte sieben Tickets nach Brügge und so erreichten sie gerade noch den abfahrbereiten Zug.

Wie immer und nur zur Dokumentation ihrer Erlebnisse wurden wieder einmal Fotos gemacht und nach kurzer Fahrt erreichten sie das heutige Endziel. In Brügge angekommen gingen sie an verdutzt schauenden Bahnbeamten vorbei in Richtung Ausgang und schon fehlten wieder einmal welche.

In der Bahnhofshalle gab es nämlich leckere belgische Fritten für Frau Rita und Rita, sowie eine warme Waffel für unser Süßmaul Gitta. Endlich wieder beisammen studierten sie zunächst kauend den Stadtplan, begaben sich in Richtung Innenstadt und erreichten alsbald die alte Klosteranlage Begijnhof mit einem herrlichen großzügig angelegten Park, den sie nach Besichtigung der Klosterkirche ausgiebig nutzten, um genügend Erinnerungsfotos zu schießen. Nachdem die Frauen den Park durchquert hatten erreichten sie über eine der zahllosen Kanalbrücken das fast vollständig erhaltene mittelalterliche Zentrum der als Weltkulturerbe bekannten Stadt. Sie bestaunten windschiefe liebevoll gestaltete Häuschen, Pferdedroschken holperten an ihnen vorbei und über kopfsteingepflasterte Straßen wagten sie sich immer tiefer in den verworrenen Stadtdschungel hinein.

Die Weitgereisten kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, immer wieder besichtigten sie prachtvoll ausgestattete Kirchen, nicht nur, um die geschundenen Füße ein wenig zu erholen. Als sie an den Marktplatz gelangten, wollten sie sich ein wenig ausruhen und gemütlich einen Kaffee trinken. Platz fanden sie in einem nicht gerade preiswerten Restaurant, aber freundlich und hilfsbereit eilten die Kellner herbei und schoben Tische aneinander, damit die Frauen genügend Platz hatten. Sie bestellten Kaffee, Kakao, kalte Getränke und auch Waffeln oder Kuchen. Die Angestellten, die anscheinend mit einer größeren Bestellung gerechnet hatten räumten so schnell sie konnten Besteck und Gläser von den Tischen und servierten lieblos die gewünschten Getränke und Speisen und bereits nach kurzer Zeit wurde den arglosen Mädchen auch schon die Rechnung auf den Tisch gelegt. Als die Hälfte von ihnen noch einmal die Toilette aufsuchte, stand der Kellner fordernd bei den Übriggebliebenen, die jedoch keine Anstalten machten, den Tisch zu verlassen und zuerst in aller Ruhe ihre Tassen und Gläser leerten und auf die anderen warteten. Um diese Erfahrung reicher schlenderten sie nun gestärkt weiter in Richtung Burgplatz mit der alten Kanzlei, dem alten Rathaus und der eindrucksvollen zweigeschossigen Basilika des Heiligen Blutes. Nachdem sie hier in stillem Gedenken verweilt hatten und die Pracht auf sich wirken ließen, versuchten sie bei der kranken Hannelore anzurufen. Dieser ging es inzwischen wieder besser und so beschlossen die Reisetanten, langsam die Stadt Brügge zu verlassen und sich mit der Daheimgebliebenen zum Abendessen zu verabreden.

Der Weg zum Bahnhof führte die Naschkatzen an zahllosen Pralinenläden vorbei, nicht ohne die ein oder andere Tüte der leckeren Schokoladenartikel zu kaufen.

Noch eine kurze Pause auf der Terrasse eines Eiscafés und schon bald erreichten sie über einige Umwege den Ausgangspunkt ihres Rundgangs.

Die Bahnbeamten schauten noch immer irritiert, aber die sieben Urlauberinnen bestiegen unbekümmert den nächsten Zug und erreichten nach etwa 10 Minuten Blankenberge. Dort warteten sie auf die „Kusttram“ mit der „theoretischen Abfahrtszeit“ und steuerten das nächste Ziel an: Wenduine.

Hier telefonierten sie noch einmal mit Hannelore, die auch bereits auf dem Weg dorthin war. Auf der Strandpromenade ließen sie sich nach einem kurzen Spaziergang in einem Restaurant nieder und genossen beim Abendessen die Sonne und das Meer. Sie bestellten leckere Fisch– und Fleischgerichte, Rita eine Tomatensuppe, die liebevoll in einem kleinen roten Kesselchen serviert wurde.

Langsam wurde es dunkel, und die mittlerweile wieder komplette Gruppe begab sich zur Haltestelle in Richtung De Haan.

Gemütlich schlenderten sie wieder zu ihrem Feriendomizil, wo sie den Abend in geselliger Runde gemütlich in ihrem kleinen Garten ausklingen lassen wollte. Und wieder einmal war es Gitta, die für Aufruhr sorgte. Sie hatte es sich in einem Gartenstuhl bequem gemacht, und die Beine hochgelegt. Rita reichte ihr das Glas, um es nach Aufforderung wieder wegzustellen und neu zu befüllen. Nach viermaliger Wiederholung dieser Prozedur wurde es den anderen zu bunt und besorgt fragten sie Gitta, ob alles in Ordnung sei, oder ob sie sich irgendwie verletzt habe und nicht mehr bewegen könnte. Aber ganz unschuldig und ruhig, antwortete das raffinierte Biest nur, sie habe Urlaub, und ließe sich nur bedienen.

So endete auch der zweite Tag nach Mitternacht in bester Urlaubsstimmung und nachdem alle ihr Nachtgewand anhatten gingen im Haus nach und nach die Lichter aus.

Und übrig blieben wieder nur die Stille, acht zufrieden schlafende Frauen und ein Reporter, der wieder eine Nacht im Garten zwischen den Bäumen schlafen musste und voller Spannung den dritten Urlaubstag erwartete.

Teil 3

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