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Professionell unterwegs

Petra-Susanne ist PhysikerIn und hat sich in professionelle Kreise gewagt um an einem Workshop teil zu nehmen. Im folgenden ihr Bericht:

Gestern habe ich mich zum ersten Mal in weiblicher Erscheinungsform in professionelle Kreise gewagt. Ultrakurzzusammenfassung: Keinerlei Probleme!

Hier nun die etwas längere Beschreibung:

Ich bin als PhysikerIn unter Anderem auch mit dem simulativen Rechnen von physikalischen Systemen beschäftigt, um Vorhersagen über deren Verhalten beim Verändern von Randbedingungen etc. machen zu können. Hierzu gibt es sehr spezielle, komplexe Programme, die in der Regel richtig viel Geld kosten, wenn man nicht in der akademischen Forschung angesiedelt ist und dessentwegen von den Firmen angefixt werden soll. 🙂

Solch ein Programm wurde in gestern in zwei aufeinander folgenden Workshops (vormittags und nachmittags) im Allgemeinen und für eine Spezialanwendung im Besonderen vorgestellt, und zwar im nahen europäischen Ausland. Eine Begegnung mit Kollegen aus dem direkten Arbeitsumfeld war nicht zu erwarten – und wenn es doch dazu gekommen wäre, hätte ich halt ein Outing der anderen Art billigend inkauf genommen. Daher habe ich dann einfach mal als *ich* teilgenommen.

Morgens um ca. Viertel nach Sechs ging’s los, nachdem ich mir den Abend zuvor die Plümmen und die erforderlichen Materialien der Kriegsbemalung passend zurecht gelegt hatte, um nicht nach dem Aufstehen um Fünf noch in Zeitnot zu geraten. Das Outfit: Frauentypisches Sitzungsoutfit mit engerem, knielangem, dunklem Rock, eher dunklen Strümpfen, leicht pumpsartigen Halbschuhen und rotem etwas edleren T-Shirt; dezenter Schmuck. Für den Einkaufsbummel wäre es overdressed gewesen, aber in dem erwartbaren Kreis wohl passend.

Hinfahrt war natürlich kein Problem. Am Zielort musste ich dann erst mal nach dem Workshop-Raum (gemietet in einem größeren, nobleren Hotel) suchen und bin dann schnell fündig geworden. Überraschung: Wir waren nur zu sieben TeilnehmerInnen. Entsprechend war ein „Untertauchen in der Menge“ hier nicht angesagt, und es entwickelten so einige einleitende Fachgespräche. Großartige Verwirrung mir gegenüber war überhaupt nicht zu spüren, obwohl ich meine Stimme trotz einer gewissen Anhebung und wohl auch etwas femininerer Ausdrucksweise schon etwas weiblicher wünschen würde. Ich gehe aber davon aus, dass die Teilnehmer mich schon als transident eingeschätzt haben, auch wenn einigen dieser Begriff wahrscheinlich gar nicht bekannt war.

Der gleiche Effekt dann nach dem kurzen Baguette+Wässerchen-Mittagsmahl (mit entsprechender höflicher Bedienung der „Madame“ durch das Restaurationspersonal) im zweiten Workshop, mit nur noch 5 TeilnehmerInnen, bis hin zur Verabschiedung per Handschlag durch den Workshopleiter.

Schließlich noch ein Tankstop zum kostengünstigen Nachfüllen des Diesels mit ähnlich unspektakulärem Verlauf, bevor ich nach einem langen Arbeitstag um ca. 19 h wieder zuhause eintraf. Und ja, ich kann die Aussagen meiner Frau durchaus nachvollziehen: Der BH (bzw. bei mir das Korselett) drückte doch irgendwann eher unangenehm!
Aber da mein (klebetechnisch realisiertes) Bindegewebe nach dem ganzen Tag auf Achse eher etwas schwächelte, hab ich das Ding noch tapfer bis zum Zubettgehen ertragen.

Liebe Grüße,

Petra

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