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Nathalies Alltag en femme

Nathalie aus dem Gendertreff Forum berichtet über ihre Erlebnisse im Alltag

Den Alltag en femme zu leben ist etwas anderes, als die schönen Stunden in verhältnismäßig sicherer Umgebung bei einem der Treffen. Bei mir hat es auch lange gebraucht, bis ich mal allein zum Einkaufen losgezogen bin. Zurzeit bin ich sehr häufig unterwegs, ja man kann sagen, dass ich meinen Alltag und all das, was man normalerweise zu tun hat, en femme erledige. Einfach um es mal auszuprobieren, wie es so läuft und ob ich damit zurechtkomme. Ausgenommen zur Arbeit und wenn ich zu den Eltern will, da sie noch nichts von mir wissen. In dieser Zeit habe ich einige Situationen erlebt, die ich auf Wunsch von Ava einmal weitergebe.

Zuerst war ein Besuch der Tankstelle. Da ich es seit Jahren gewohnt bin, mit meiner Kreditkarte zu zahlen, dachte ich mir nichts dabei, dies auch en femme zu tun. Die Angestellte sah auf die Karte und meinte: „Das ist nicht Ihre Karte“.

Noch guter Laune versuchte ich, sie vom Gegenteil zu überzeugen und zog meinen Personalausweis, um mich auszuweisen. Den erkannte sie auch nicht an und vermutete sogar, dass ich die Papiere irgendwo gestohlen hätte. Im Lauf der Diskussion wollte sie jetzt die Polizei hinzuziehen. Ich versuchte immer noch ihr klarzumachen, dass das meine eigenen Papiere waren.

Das ganze Theater hatte nun die Aufmerksamkeit des Pächters geweckt. Dieser kam zur Schlichtung zu uns. Nach kurzer Zeit glaubte er mir endlich und ich konnte, nachdem ich gezahlt hatte, wieder fahren.

Solche Reaktionen kannte ich bis dahin nicht und war, unter anderem, der Anlass einen Zusatzausweis zu beantragen. Auch ist es für die Zukunft sicherer, wenn mal eine Flugreise und/oder Ferien im Ausland geplant sind, dass man keine Probleme bekommt.

Es gibt aber auch schöne Situationen, an die ich mich sehr gerne erinnere. Einmal bezahlte ich mit meiner EC-Karte bei einem Elektronikmarkt. Die Kassiererin schaute mich an und bemerkte: „Oh, haben sie Ihre Namensänderung noch nicht durch?“ Ohne zu zögern akzeptierte sie die Karte.

Zuletzt hatte ich mich am Montag mit meinem Friseur verabredet, der mir ein Päckchen vorbeibringen wollte. Ich war ein paar Minuten zu früh in unserer Fußgängerzone und kaufte mir ein Eis, setzte mich auf die Parkbank und wartete auf Ihn. Der Becher war leer und ich entsorgte ihn in einem Papierkorb, der ein paar Meter weiter angebracht war.

Überraschung, die Parkbank wurde in diesem Moment von einer Frau mit Kinderwagen genutzt. Was nun ? Die Frau sah zu mir und meinte: „Sie können sich gerne wieder zu mir setzen.“ Kurze Zeit später kamen wir, über Ihren 10 Monate alten Säugling, ins Gespräch. Einfach so, wildfremde Frauen unterhielten sich über dies und das.

Meine Verabredung kam nach einer Viertelstunde und wir, die fremde Frau und ich, wünschten uns gegenseitig alles Gute. Eine richtig entspannte Unterhaltung, einfach schön. Leider hatte ich vergessen ihr einen unserer Flyer mitzugeben.

Heute kam der Zusatzausweis nach nur 14 Tagen bei uns an. Ich denke, dass Missverständnisse nun sehr viel schneller geklärt werden können.

Liebe Grüße

Nathalie

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