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Fotografin Xenia

Ein befreundetes Paar meiner Frau und mir hatten sich nach langer Zeit des Zusammenlebens entschieden zu heiraten und auch gleichzeitig ihren 100. Geburtstag (Beide 50) zu feiern. Ich muss zugeben, dass an dieser Beziehung meine Frau und ich nicht so ganz schuldlos waren. Wir bekamen die Einladung und ich wurde gefragt ob ich mich an diesem Tag um die Fotos kümmern könnte. Sehr gerne nahm ich den „Job“ an, musste aber noch aufklären, dass ich nun die komplette Transition bestreite und somit eine Fotografin die Fotos machen wird. Sie kannten ja schon die gesamte Vorgeschichte nur das war noch neu für die beiden. Also kam es vor dem denkwürdigen Tag zu einem Gespräch und wir waren uns einig, dass es die Gäste nicht zu interessieren habe wer eingeladen ist. Später hatte ich dann noch erfahren, dass Trauzeugin und Trauzeuge eingeweiht wurden.

Freitag, der 11.11.2011 war angebrochen und meine Frau und ich brezelten uns auf um pünktlich beim Standesamt zu sein. Der Bräutigam und einige Gäste standen schon dort und wir stellten uns mit Vornamen vor und begrüßten uns. Bestimmt werden jetzt wieder einige vermuten, dass von Naserümpfen bis Dummgucken alles dabei war, aber falsch, alles normal. Ich schoss meine ersten Bilder, die Braut kam und die Gesellschaft stürmte das Standesamt. Der Raum war relativ klein und viele mussten stehen und ich natürlich auch, ganz vorne am Geschehen, denn das Brautpaar wollte gute Bilder. Verstecken oder verkriechen war natürlich unmöglich, aber das wollte ich ja auch gar nicht. Im Gegenteil, ich stand auf dem Präsentierteller. Die Zeremonie nahm seinen Lauf und nach ca. einer halben Stunde und Fotos machen vor dem Gebäude, ging es in die Autos um zum Restaurant zu fahren.

Sektempfang, Stühle rücken, Gratulationen und ich mittendrin statt nur dabei um gute Bilder machen zu können. Das Essen war lecker und es gab kleine erste Gespräche. Dann sollte es eine Pause geben um sich abends wieder im leichten Bieranzug zu treffen. Zu dem langen Rock zur Hochzeit hatte ich mich für einen etwas kürzeren entschieden. Dazu kam aber eine etwas dickere braune Strumpfhose und Stiefel, weil ich hatte keine Lust mehr auf kalte Beine und Füße.

Ein Buffet wurde aufgefahren und die Anzahl der Gäste hatte sich verdoppelt. Nach dem leckeren Essen und den ersten Getränken kam es zu den erwartenden Gesprächen. Das Echo war auch diesmal wieder durchweg positiv und ich kam mit einigen Gästen ins Gespräch. Natürlich war ich bewaffnet mit Flyern und griff entsprechend häufig in die Handtasche. Einige kannten dann doch schon die Plattform „Gendertreff“ und meinten nur, dass es sich um einen sehr guten, informativen und seriösen Internetauftritt handeln würde. Kontakte wurden geknüpft, dahin gehend, dass z.B. der Soziale Dienst der Stadt Düsseldorf Flyer von uns verteilen und auch evtl. ein Interview in einem Internetradio vorbereitet werden wird. Viele fanden den Schritt mutig, sagten aber auch, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, glücklich zu sein. Auch Freunde mit denen wir lange kein Kontakt mehr hatten, verstanden an diesem Abend, dass es nur noch Xenia gibt.

Rundum war es eine schöne Feier, die gegen Mitternacht zu Ende ging. Als Transfrau war ich voll akzeptiert und integriert und ganz wichtig war, dass ca. 98% der ca. 500 Bilder gut geworden waren.

Xenia

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