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Geschlechtsangleichung via Facebook

«Wenn ihr das lest, bin ich wahrscheinlich bereits eine Frau.» Der ehemalige Bodybuilder hatte sich entschieden, sein Umfeld auf diese doch recht ungewöhnliche Art und Weise über seine Geschlechtsumwandlung zu informieren.

Dass er im falschen Körper geboren worden war, wurde Christopher Goldman (37) bereits ziemlich früh klar: «Ich habe mich niemals mit meinen männlichen Genitalien identifiziert. Aber ich wollte nicht, dass die Menschen mich für einen Freak halten. Also fand ich mich mit meiner Situation ab.» Chris hat eine Geschlechtsidentitätsstörung – In älteren medizinischen und psychologischen Diagnosen und im Volksmund auch als Transsexualität bekannt.

Mehr als 30 Jahre lebte Christopher mit dieser Lüge, versuchte alles Männliche zu imitieren und wurde zum Fitnessfan. Der junge muskelbepackte Mann wollte sicher gehen, dass er rein äußerlich auf keinen Fall einem «typischen Transsexuellen ähnelt». Christopher Goldman hatte heterosexuelle Beziehungen, war sogar verlobt. Er liebt Frauen und wäre gerne selbst eine. Eine Frau, die in einer homosexuellen Beziehung lebt.

Er träumt davon, irgendwo ein neues Leben als Frau beginnen zu können. Heimlich trifft er sich mit einem Therapeuten, um die Möglichkeiten einer Geschlechtsumwandlung zu diskutieren: «Es war, als würde mir endlich jemand Sauerstoff verschreiben, nachdem ich ein Leben lang unter Wasser leben musste. Doch ich traute mich nicht, irgendjemandem davon zu erzählen», beschreibt Chris seine Gefühle nach der ersten Hormon-Behandlung.

Die Folgen konnte der 37-Jährige nicht lange verbergen. Der Bodybuilder wurde von Tag zu Tag fraulicher. Er fing an Make-up zu tragen und nahm Präparate, die seinen Bartwuchs verhinderten. Eines Tages konfrontierte ihn seine Verlobte, nachdem sie auf seinem Computer jede Menge Artikel über Transsexualität gefunden hatte. Mit den Antworten, die ihr der Mann den sie liebte gab, konnte die junge Frau nicht leben. Sie verliess ihn.

2005 unterzog sich Christopher Goldman in San Francisco einer 32.000 Dollar teuren Gesichtsoperation, bei der ihm die Wangenknochen verfeinert und der Adamsapfel verkleinert wurden. Doch die «grosse Operation» musste noch etwas warten. Nachdem ihn seine Verlobte verlassen hatte und keine seiner folgenden Beziehungen funktionieren wollte, verfiel der junge Mann in eine tiefe Depression. Gegen den Frust begann er zu essen. Das daraus resultierende Übergewicht und sein hoher Blutdruck machten die Geschlechtsumwandlung unmöglich. Chris wog zu dieser Zeit 111 Kilogramm. Für eine Operation durfte der jedoch nicht mehr als 86 Kilo auf die Waage bringen.

Ein grossartiges Gefühl
Nach einer strikten sechsmonatigen Diät hatte er fast 40 Kilogramm verloren und war nun endlich bereit für die Operation, die sein ganzes Leben verändern würde.

Vier Stunden nach eingangs erwähntem Facebook-Eintrag wachte Christina aus einer zwölfstündigen OP auf. Dank der Vaginalplastik und einer Brustimplantation kann sie sich voll und ganz als Frau fühlen. Die Schmerzen des massiven medizinischen Eingriffs spürt sie jedoch kaum. Besonders nicht, als sie die positive Resonanz auf ihren Internet-Eintrag lesen darf: «Ich hatte mehr als 1000 Nachrichten in meinem Postfach. Ich hatte damit gerechnet, dass die alle hasserfüllt und voller Unverständnis sein würden, aber dem war ganz und gar nicht so. Die meisten Nachrichten lobten mich für meinen Mut. Das war ein grossartiges Gefühl.»

Auch die Unterstützung ihrer Familie ist Christina mittlerweile sicher: «Mein Vater hat mich von Anfang an bei meiner Transformation unterstützt. Meine Mutter hingegen hatte zunächst Schwierigkeiten, mich als Frau zu sehen. Doch mittlerweile hat sie sich wohl daran gewöhnt.»

Heute lebt Christina glücklich mit ihren drei Hunden Dasher, Jude und Luke in Myrtle Beach, Kalifornien: «Vor meiner Operation war ich keinen Tag in meinem Leben glücklich. Heute fühle ich mich endlich wohl in meiner Haut. Von Christopher fehlt mir gar nichts. Alles, was mir an ihm gefiel, habe ich doch behalten.»

Die komplette Geschlechtsumwandlung hat Christina an die 150.000 Dollar gekostet.

Quelle:

bluewin.ch/
hgm-press.de

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