Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Wie es mich von Thüringen auf die kleine Nordseeinsel Wangerooge verschlagen hat

Bericht von Maya Mitsume:

17. April 2003

Wie es mich von Thüringen auf die kleine Nordseeinsel Wangerooge verschlagen hat

Einige Jahre war ich arbeitslos, als ich noch meine Fortbildung zur Fachkraft Steuerwesen und Buchhaltung absolvierte. Doch in meinen Leben ging damals vieles drunter und drüber und selbst quälte ich mich nach meinem inneren Ich.

Familie war nicht, nach meinem Outing stand ich ganz allein da. Vieles was war, kam nicht wieder und ich wusste, hier konnte ich mich nicht entfalten. Zu viel hing davon ab und zu groß war die Angst, noch einmal so tief verletzt zu werden. Ich suchte also einen Ausweg, der einerseits für mich ein Neuanfang sein sollte und anderseits brauchte ich ja eine Arbeit. Woher sollte ich mich noch weiter finanzieren….

Da ich mir einige Informationen über Transsexualität irgendwie mir selbst zusammengetragen habe und klar war, es kostet nicht nur Zeit und Nerven, auch ein Haufen Geld – das ich ja nicht hatte. Mein ehemaliger Freundeskreis glaubte eh nicht daran, dass ich diesen Schritt wagen würde und lachte mich eher schämend aus. Für mich war es eher ein kleiner (mehr oder weniger) Ansporn, Ihnen es zu zeigen, das ich meinen eigenen Weg gehe und auch schaffen werde.

Überraschenderweise bekam ich einen Anruf vom Arbeitsamt mit einigen wenigen Arbeitsangeboten….
Skeptisch überlegte ich und nahm den Termin wahr. Ich hatte ja keine Ahnung was auf mich zu kam, aber als die nette Dame vom Amt mir zwei Angebote vorlag und meinte:

„Sie können in die Berge, Bayern, Österreich dort arbeiten oder auf eine Insel….“

Verdutzt und irgendwie fragend schaute ich sie an, „…is net Ihr ernst…?“ – „Doch, es ist zwar Saisonarbeit, aber immerhin können sie da gut arbeiten. Der Arbeitgeber stellt Ihnen sogar eine Unterkunft und die Bezahlung ist auch nicht schlecht…“

Ich überlegte nicht lange und entschied mich für die Insel. „Ich geh auf die Insel!“ meinte ich konsequent und warf zu ihr einen strengen, starren Blick zu. „Ok, dann mach ich das soweit fertig und Sie bekommen in zwei bis drei Wochen Post“ sagte sie kleinlaut zu mir, aber ich lenkte ein und sprach mit strengerer Stimme „Nö! Sie rufen jetzt gleich an! Ich will jetzt hinauf!“

Ängstlich schaute Sie mich an und ich dachte, <…war das jetzt richtig? Die Ärmste, wollt‘ ich sie doch nicht einschüchtern….> Sie nahm den Hörer in die Hand und wählte die Nummer. Ihr Blick wandte sich nicht ab von mir, als wäre sie fatal schockiert. Meine Gedanken kreisten herum und ich fragte ich mich, ob es jetzt mit mir aufwärts geht oder es doch ein Fehler war. Nach einer Weile des Wartens und des Zuhörens während des Telefongesprächs legte sie entspannt auf und atmete tief durch.

„Geht klar, Sie können bereits nächste Woche anfangen. “ … verdutzt starrte ich sie an und dachte: <…Geht doch…> Ich lächelte und die Situation entspannte sich völlig. Sie meinte, dass sie so was noch nicht erlebt hatte und wir redeten über die weitere Vorgehensweise.

Am Ende unseres Gespräches offenbarte ich doch ein wenig von meinem Problem, dass ich im falschen Körper steckte und für mich erst mal einen Ausweg suchte. Sie lenkte ein und verstand mich. „Keine Bange, das wird schon und schaffen werden Sie es auch. Nutzen sie dies als Neuanfang. Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg auf deinen weiteren Lebensweg…“ nett gesagt, habe mich dann auch verwundert, warum sie gerade am Ende mehr persönlich und irgendwie vertraulich wirkte. Naja, erleichtert und mit einem Lächeln verliess ich das Büro, holte auch gleich meine Fahrkarte und ging entspannt nach Hause, um die Koffer zu packen, denn hatte ja nur dre Tage Zeit gehabt.

Abschied brauchte ich ja nicht zu nehmen, von wen denn auch, da alle in meinem alten Umfeld eh nicht an mich glaubten oder gar hinter mir standen. Selbst die eigene Familie nicht, daher drehte ich meinem Heimatland den Rücken zu und ging.

Spannend erwartete ich mein Ziel und die Zugfahrt nutzte ich, meine Gedanken zu ordnen. Was auch immer mich erwartete, stellte ich mich auf ein neues Abenteuer in meinem Leben ein, voller Ungewissheit und dem neuen Unbekannten….

<< Zurück >> Weiter

<< Inhaltsverzeichnis