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Erfahrung an einem Bankschalter

Franziska aus dem Gendertreff Forum berichtet hier von Ihrer nicht so positiven Erfahrung an einem Bankschalter:

Tja,
am vergangenen Montag war es soweit: Die freundliche Frau am Bankschalter, die mich nicht kannte, sollte eine Auskunft erteilen. „Hat die Firma XYZ ihre Abbuchung vorgelegt?“
„Ihre Bankkarte, bitte.“
Die rote EC-Karte zeigt noch meinen alten Namen.
„Es tut mir leid. Kann ich Ihren Personalausweis sehen?“
Klar. Allerdings hat der noch den alten Namen und mein zwei Jahre altes Foto. Mit Vollbart und Brille.
„Das sind Sie ja gar nicht.“
„Doch. Aber ich bin eine transsexuelle Frau und habe mein Aussehen verändert. Bitte rufen Sie meine Frau und meine Kundenberaterin in der Filiale ABC an.“
Kundenberaterin Anja ist krank. Meine Frau fährt durch das Funkloch in den Legoländer Höhen.
„Ich muß meinen Gruppenleiter informieren.“
Die fleißige Kundenberaterin nimmt EC-Karte plus Personalausweis an sich und kommt mit dem Kundenberater zurück. Der mit strengem Blick und dem festen Wissen wie der Heilige Geist:
„Das sind Sie ja gar nicht!“
„Doch, das bin ich.“
Und dann sage ich mein Sprüchlein auf … Ich bin eine transsexuelle Frau …
Inzwischen betreten zwei Polizisten den Schalterraum. Jemand hat den „stillen Alarm“ zur Hatz auf die Gangsterbraut Franziska B. eröffnet. Ein Bankangestellter zeigt mit dem Finger auf mich.

Der Gruppenleiter: „Diese Frau hier hat vermutlich gestohlene Dokumente vorgelegt.“
Ich sage, dass ich eine Frau bin, die Vornamensänderung noch nicht schriftlich bei mir angekommen ist, ich kein Geld, sondern nur eine Auskunft wolle …

Der Polizist: „Sie behaupten, daß das Ihre Kundenkarte und ihr Ausweis sind?“
„Ja.“
„Auf dem Bild ist aber ein Mann zu sehen. Und außerdem steht da Frank B. Und Sie sind eindeutig eine Frau!“
„Ja, das stimmt. Ich war Frank B., jetzt bin ich Franziska B.“
Der Polizist:
„Und ich bin der Kaiser von China!“
Der Polizist noch immer unfreundlich: „Das reicht mir jetzt. Sie kommen mit.“

Auf der Wache: „Wer sind Sie wirklich?“
Ich nenne meinen Namen und sage mein Sprüchlein auf. Frau, transsexuell …
Die Uniformierten: „Wenn Sie nicht mit der Wahrheit herausrücken, bringen wir Sie zur Identifikation zum Landeskriminalamt nach W.“
„Ich bin eine Frau und möchte mit Würde behandelt werden.“
„Sie haben das Anrecht, von einer Beamtin durchsucht zu werden.“
„Ich weigere mich. Ich bin noch nicht operiert.“
Blöder Blick.
„Dann werden Sie eben von einem männlichen Beamten durchsucht.“
„Ich weigere mich. Ich habe ausgeprägte sekundäre Geschlechtsmerkmale (Anm.: 105 B bis C – Körbchen).“
Der männliche Beamte richtet einen unangenehmen Blick auf meine Brust und grinst. Nach der Androhung, dienst- und strafrechtlich gegen diese „Sonder“Behandlung vorgehen zu wollen, werde ich zur Bank zurückgefahren. Der Personalausweis bleibt auf der Wache.

Der informierte Rechtsanwalt:
Alle „Ersatzausweise“, die keinen amtlichen Stempel zeigen, sind Quatsch. Was einzig hilft, ist der ersehnte Brief vom Amtsgericht. Und das lässt sich, obwohl ich den Fall ausführlich geschildert habe, Zeit…

Ein besonderer Handlungsbedarf scheint nicht zu bestehen. Vermutlich muß ich doch die BILD-Zeitung um Hilfe bitten. Und der Artikel 1 des Grundgesetzes?

Och, die blöde Tucke ist ja hysterisch (ohne Hysteron = Gebärmutter!; hört, hört!), hatte einer der Polizisten noch schnell hinterher gerufen…….

Franziska

Inzwischen gibt es eine Fortsetzung und eine vorläufige Lösung:

Die Bank hat sich für das Verhalten des im vorauseilenden Gehorsam handelnden Mitarbeiters entschuldigt.

Ich habe heute im Bürgerbüro der Ortsgemeinde einen vorläufigen Personalausweis beantragt. Die nette Mitarbeiterin hat das super aktuelle Lichtbild akzeptiert, so dass ich nun einen voll gültigen und „amtlichen“ Ausweis mit dem ungeliebten Vornamen, gleichwohl aber mit dem aktuellen Foto besitze.
Damit ist der sogenannte „Ergänzungsausweis“ eher ein Micky-Maus-Modell. Zumal 8 Euro für das Bild und 10 Euro für den Ausweis anfallen.

Beste Grüße

Franzi

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