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Marleen outet sich zu Hause

Marleen berichtet von ihrem Outing in ihrer Familie, wobei sie von ihrer Ehefrau tatkräftig unterstützt wird:

So Ihr Lieben, da bin ich wieder… 😉

Am letzten Wochenende wollte ich die Basis schaffen um auch zu Hause endlich als Frau leben und mich draußen zeigen zu können. Unsere Kinder sollten von Marleen erfahren. Am Samstag nach ausgiebigem Shopping mit meiner Liebsten – Marleen braucht ja demnächst mehr jobgeeignete Kleidung – haben wir bei Kaffee und Kuchen am Tisch gesessen und wollten die Sache angehen.

Meine Liebste nickte mir auffordernd zu, aber ich wusste nicht wie ich anfangen sollte, war das erste Mal mit einem Coming out komplett überfordert. Sabine hat dann erklärt was in mir vorgeht und wie ich mich verändere und das ich als Frau Marleen Anna Christine heißen werde.
Unser mittlerer Sohn (10) fing entsetzlich an zu weinen und ist nach draußen gerannt um sich im Garten zu verkriechen. Seine kleine Schwester (9) fing dann auch an zu weinen. Ihr könnt euch vorstellen, dass mir das Herz in der Brust zersprang und ich ebenfalls in Tränen aufgelöst war. Die Kleine beruhigte sich aber schnell und kam dann zu mir auf den Schoss zum Kuscheln und zum Trösten. Eine der ersten Fragen war: „Bist du dann auch meine Mama?“ Ich musste schmunzeln und habe geantwortet, dass sie nur eine Mama hat und ich immer ihr Papa bleibe, auch wenn ich mich verändere und anders aussehe als die anderen Papas. Trotzdem sagte sie, sie wolle mich Mama 2 nennen. Mal sehen ob ich darauf höre.

Nach einer kurzen Weile kam unser Sohn wieder herein und Sabine konnte kurz mit ihm sprechen. Er sagte er habe Angst, dass Papa jetzt nichts mehr mit seiner Familie zu tun haben will und nicht mehr für alle da sei. Als er dann wieder zu uns kam, konnte ich ihm auch noch einmal in Ruhe erklären, dass meine Veränderung nichts mit meiner Liebe zu meiner Familie zu tun hat und ich noch immer alles mit ihm und seinen Geschwistern unternehmen kann und will, was wir bisher gemacht haben. Er hat sich dann schnell beruhigt und auch gleich begonnen mich mit typisch männlichen Vorurteilen über Frauen aufzuziehen. Beide haben gefragt, ob sie mit ihren Freunden darüber sprechen dürfen. Das habe ich Ihnen erlaubt, ich will nicht, dass sie sich mit einem „Geheimnis“ belasten, das in Kürze ohne hin Stadtgespräch sein wird.
Unser Großer (17) war mir eine sehr große Hilfe in der eben geschilderten Situation. Er saß neben mir, hat mich in den Arm genommen und gesagt, dass es für ihn OK wäre und er zu mir hält, ich solle mir keine Sorgen machen. Das tat richtig gut, vor Allem, da die Kleinen zunächst so entsetzt reagiert hatten.

Eine Stunde später war alles wieder normal und der Alltag ging weiter. Ab Freitag, wenn ich aus meinem „Wochenexil“ nach Hause komme lebt Marleen in unserer Familie und geht die Brötchen kaufen. Bin gespannt, wie schnell meine Veränderung in der Kleinstadt „rund“ ist und wie die Menschen, vor allem die, die mich als Mann kennen, auf mich reagieren. Ich hoffe nur, dass meine Kinder keinen Spott oder blöde Anmache ertragen müssen.

LG

Marleen

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