Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Sabine beim Personalchef

Autorin Sabine berichtet von einem guten Gesprächsverlauf in ihrem Betrieb:

Hallo Leute,

nachdem es in der vorletzten Woche gar nicht gut ausgeschaut hat, hat sich das Blatt wohl doch noch zum Guten gewendet.

In der vergangen Woche war mein Termin beim Personal Recruiting (so heißt das jetzt bei uns). Mit der Info aus der Vorwoche und meiner TS Kollegin bin ich dann auf die neunte Etage.

Freundlich sind wir empfangen worden, doch bei mir hingen die Ohren runter. Ich wurde gefragt, wie ich angesprochen werden wollte. Da ich ja „verkleidet“ dort aufgeschlagen bin, hab ich es erst mal bei der männlichen Form belassen.

Nach kurzer Einleitung durch den Personalchef kam er zur Sache. Ich konnte aus dem Gesprächsverlauf erkennen, dass er zunächst ein Problem mit der Vorstellung meines Outfits hatte. Daniela bestätigte, dass dies durchaus alltagstauglich sei und im Rahmen meiner zukünftigen Tätigkeit vorstellbar ist. Nach weiteren Erklärungsversuchen fiel mir Marinas Satz ein – ein Bild sagt mehr als tausend Worte – und zeigte ihm eines meiner Bilder auf dem Handy. Das Eis war gebrochen, er bedankte sich und ging sofort zum nächsten Thema über. Jetzt kommt das eigentlich Wichtige. Nachdem mir im Vorfeld eine Versetzung in eine andere Region vorgeschlagen wurde, was für mich inakzeptabel war, kam jetzt die Kehrtwende: „Es bleibt alles wie es ist. “

Im weiteren Verlauf wurden noch der Ablauf und die Details besprochen, so dass es in absehbarer Zeit losgehen kann. Vorausgesetzt die machen keinen „Rückzieher“. Der Gesprächsverlauf war fair, offen und professionell. Ein Unternehmen was ich so nicht kannte.

Als ich im Anschluss mit Daniela allein im Aufzug war fragte ich: „Was war das denn gerade?“ – „Ist doch egal, es hat geklappt, freue dich.“
Es hatte noch eine Weile gedauert bis ich das verarbeitet hatte. Denn wie gesagt, es sah nicht gut aus.

Die ersten Schritte habe ich schon eingeleitet, es muss jedoch das Gespräch mit der Regionalleitung abgewartet werden.
Dann ist Startschuss, hoffe ich jedenfalls.

LG
Sabine

p.s.: Redaktioneller Hinweis.
Das Gespräch mit der Regionalleitung war niederschmetternd und erst einmal liegt alles auf Eis. Wir drücken Sabine die Daumen und unterstützen wo wir nur können.
Das zeigt aber, dass das Thema noch nicht überall angekommen ist und wir weiter für Aufklärung in der Öffentlichkeit sorgen müssen.

p.p.s.: Redaktioneller Hinweis.
Ab Mai wird Sabine in ihrem Identitätsgeschlecht arbeiten gehen. Es hat wohl ein klärendes Gespräch zwischen Regional- und Personalleitung über die Themen, Menschenrechte, Gleichbehandlung und Antidiskriminierung gegeben. Und es wurde für das Unternehmen eine akzeptable Lösung gefunden, die das Thema auch für die Zukunft abdeckt.
Doch noch eine schöne und gute Nachricht zum Abschluss.

>> Zur Inhaltsübersicht