Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

In kleinen Schritten, mein Weg zum Ich: 09 (2) u. 10-2013

14. – 21. September
Geschlechtsangleichende Depriwoche. So könnte der Titel lauten und meine momentane Stimmungslage widerspiegeln.

Ein paar Schritte hinaus unter Menschen habe ich bereits gewagt, denn Laufen geht ganz gut und Termine am Montag und Mittwoch bei der Frauenärztin wahrgenommen. Ihr Befund ist positiv und beruhigend, denn sie ist von dem Resultat und dem Heilungsprozess begeistert und gibt mir noch einige Tipps für zu Hause – Weiterhin schonen und liegen.
Klar, dass es noch schmerzt, Sitzen noch ein Abenteuer darstellt, es immer wieder blutet aber die Gemütslage spielt verrückt. Der Hormonhaushalt hat mich zurzeit fest im Griff!

22. September
Da war dann doch nicht alles in Ordnung! 🙁

Ich komme gerade wieder von der Uni Essen zurück, wo ich wieder ambulant zusammen genäht wurde. Meiner Frau und mir war aufgefallen, dass die linke Seite bereits sehr gut verheilt ist, aber sich auf der rechten Seite eine ca. 4cm breite „Wundspalte“ auftut, die immer weiter nach oben aufreißt. Wir also vom Wahlbüro (Bundestagswahl) direkt zur Uni Essen, wo mich ein Arzt auch gleich ambulant zusammen genäht hat – Was für ein gutes Gefühl. Jetzt sieht wieder alles gut aus und auch der „Strahl“ ist wieder gerade.
Vermutlich haben sich die Fäden zu früh aufgelöst.

Hoffentlich gibt es jetzt keine Infektion, aber der behandelnde Arzt hat auch gleich noch ein sich auflösendes Läppchen, das entzündungshemmend wirkt, eingenäht.

25. September
Der 22. Tag nach der Operation und der 3. Tag nach der erneuten Nähaktion ist angebrochen. Links sieht alles gut aus und auch die Schwellung geht weiter zurück, nur die rechte Seite lässt sich Zeit. Es beißt und brennt und leider tropft immer noch Blut aus der Wunde, aber es ist zum Glück auszuhalten und es scheint keine Infektion zu geben. Antibiotika und Tabletten gegen Infektion und Schmerzen nehme ich noch und morgen schaut es sich die Frauenärztin wieder an. Sitzen ist weiter sehr unangenehm und geht zurzeit so gut wie gar nicht, also liegen oder stehen bleiben.

30. September
Dr. Heß an der Uni Essen hat sich heute noch einmal alles angeschaut und ist zufrieden, auch wenn es noch aus der rechten Narbe leicht blutet, aber das geht vorbei. Tabletten kann ich absetzen und ansonsten weiterhin ohne Seife abduschen.

Am 8.1.2014 habe ich meine 2. Sitzung, bei der noch Kosmetik gemacht wird:

Die zweite Sitzung/Operation sollte frühestens 8 Wochen nach der ersten OP erfolgen. Besondere Vorbereitungen sind nicht weiter nötig, nur das Übliche wie nicht Rauchen, keine feste Nahrung zu sich nehmen und die Hormone wieder 14 Tage vorher absetzen.

Wenn nötig, kann noch folgendes rekonstruiert werden:

  • Ist der hintere Scheidensteg noch erhöht, wird dieser Steg eingeschnitten, so dass man anschließend gerade in die Scheide eingehen kann. Durch die dabei erforderliche Straffung der großen Schamlippen, die auf Wunsch auch noch in ihrem Ausmaß reduziert werden können, entstehen zudem kleine Schamlippen. Weiterhin liegt die Klitoris noch ganz frei und es ist noch kein eigentlicher Schamhügel vorhanden.
  • Ist die Harnröhrenmündung nach der ersten Sitzung eng, oder geht der Harnstrahl über die Toilettenbrille.
  • Ist noch zu viel an Restschwellkörper vorhanden, was zu einer schmerzhaften Einengung des Scheideneingangs bei sexueller Erregung führen kann.

6. Oktober
Leider bin ich immer noch krankgeschrieben, weil das Sitzen immer noch unenspannt und unangenehm ist. Vielleicht ist es aber auch psychologisch, denn es ist ein definitiv anderes Sitzen als wie man es von vorher kennt. Ganz trocken sind die Narben auch noch nicht, so dass immer noch ein ganz wenig Blut austritt. Zudem habe ich festgestellt, dass nach dem nicht gerade kleinen Eingriff, dem langen Liegen und sich Schonen, ein ganzer Tag auf den Beinen eine erhebliche Belastung darstellt.
Medikamente (außer Hormone) nehme ich seit einigen Tagen nicht mehr und am Donnerstag wird sich die Frauenärztin den Stand der Dinge ansehen.

16. Oktober
Morgen, den 17. gehe ich wieder arbeiten und mal sehen wie es läuft. Sitzen auf weichem Untergrund geht schon ganz gut und so ist mein „Sitzdonat“ mein ständiger Begleiter. Die Wunden sind mittlerweile trocken und bluten fast nicht mehr, außer durch Scheuern oder das Sitzen und den dadurch ausgeübten Druck.
Soweit geht alles ganz gut. 🙂

19. Oktober
Die ersten zwei Arbeitstage habe ich hinter mir und war ganz schön platt. Habe nachts wie ein Stein geschlafen. Auch hat das viele Sitzen mit und ohne „Sitzdonat“ geschlaucht, habe es aber langsam angehen lassen. Über die Begrüßung habe ich mich gefreut, denn es waren alle froh mich wieder zu haben – Das ist doch schön. Viele Fragen wollten beantwortet werden und es gab ja auch einiges zu erzählen.

Der Oktober geht zu Ende und ich bin in der Firma wieder in der gewohnten Routine. Das Sitzen auf meinem Ring stellt so gut wie kein Problem mehr dar, wenn auch nach einiger Zeit der Po einschläft. Sitzen auf normalen Stühlen ist Tagesabhängig, mal geht mal geht nicht. Auch sind, nach langer „Trockenzeit“, mal wieder leichte Blutspuren in der Binde und die übriggebliebenen Schwellkörper verursachen unangenehme Druckschmerzen. Aber es ist alles auszuhalten, halt nur sehr unangenehm.
Im November habe ich Termine zum Endokrinologen und der Gynäkologin und ansonsten heißt es durchhalten bis Januar 2014 zur zweiten Operation. Bis dahin mit parfumfreier und pH-neutraler Seife waschen und eincremen mit Wund- und Heilsalbe.

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