Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

In kleinen Schritten, mein Weg zum Ich: 01-2014

Autorin: Xenia

7. Jan. 2014
Ab heute darf ich nur noch flüssige Nahrung (ohne Bröckchen) zu mir nehmen. Der Koffer ist gepackt und alle Papiere beisammen. Morgen geht es los, in Richtung Essen – Endlich.

8. Jan. 2014
Gegen halb 9 treffen meine Frau und ich in der Verwaltung der Uni Essen ein. Die Sachbearbeiterin stolpert über den alten Bewilligungsbescheid der Krankenkasse, wird aber von einer Kollegin und mir aufgeklärt, dass alles seine Richtigkeit hat und es sich hier um die 2. Sitzung handelt. Wir gehen zur Station und begrüßen alle mit einem freundlichen Hallo, denn man kennt sich ja noch von September 2013.

Ich werde gleich zum EKG geschickt und es folgen noch die anderen Routineuntersuchungen. Gegen 13:00 Uhr kann ich mein neues Quartier, Zimmer 112, beziehen, das leider nicht ganz so komfortabel ist wie im September vorigen Jahres.

Meine Frau verabschiedet sich von mir und ich bin alleine. Alleine? Nein! Eine 72-Jährige Dame bekomme ich als Zimmernachbarin. Wir begrüßen uns und sind auch gleich per Du (Normal im selben Zimmer).

Noch einige Routinefragen sind bei den Ärzten zu beantworten und auch Herr Dr. Heß (Chirurg) schaut noch rein und klärt mit mir, was noch gemacht werden muss.

(Wenn nötig, kann noch folgendes rekonstruiert werden:

-) Ist der hintere Scheidensteg noch erhöht, wird dieser Steg eingeschnitten, so dass man anschließend gerade in die Scheide eingehen kann. Durch die dabei erforderliche Straffung der großen Schamlippen, die auf Wunsch auch noch in ihrem Ausmaß reduziert werden können, entstehen zudem kleine Schamlippen. Weiterhin liegt die Klitoris noch ganz frei und es ist noch kein eigentlicher Schamhügel vorhanden.

-) Ist die Harnröhrenmündung nach der ersten Sitzung eng, oder geht der Harnstrahl über die Toilettenbrille.

-) Ist noch zu viel an Restschwellkörper vorhanden, was zu einer schmerzhaften Einengung des Scheideneingangs bei sexueller Erregung führen kann.)

Dann bekommen wir, meine Zimmernachbarin und ich, die Operationszeiten genannt und na wer kommt zuerst dran?
Meine Nachbarin soll gleich so gegen 08:00 Uhr und ich gegen 11:00 Uhr dran sein, was aber später noch einmal umgeschmissen wird, so dass ich vor ihr dran sein werde. Schnell stellen wir beide fest, dass wir uns sehr gut verstehen und reden, gucken Fernsehen und machen uns gegenseitig Mut für den morgigen Tag. Dabei  wird auch viel gelacht und wir haben Spaß, so dass wir schnell das „Spaßzimmer“ auf der Station sind.

9. Jan. 2014
Ich habe gut geschlafen, meine Zimmernachbarin auch und wir blödeln noch ein wenig rum. Noch Duschen und Zähne putzen und so rückt der OP-Termin näher. Gegen 11:00 Uhr werde ich abgeholt und bekomme auch noch meine „L.M.A.A.-Tablette“, wie ich später erfahre, ein Opiat (So viel zum Thema, dass ich noch nie Drogen genommen habe!).
(Diese Tablette soll die Angst vor der OP nehmen und einen „Locker“ machen. Sie kann eine Amnesie hervorrufen, das heißt man kann sich eventuell später nicht mehr daran erinnern wie man z.B. in den OP gekommen ist oder so. Im Großen und Ganzen soll sie nur die Angst nehmen. Meist nimmt man den Wirkstoff Midazolam.)

Durch die Gänge und den OP-Saal werde ich kutschiert, dann präpariert und maskiert …. Tief einatmen – Durch die Nase oder den Munnnn….?

Bei der Ankunft auf der Station werde ich bewusst wieder wach (soll aber schon vorher gegen 13:30 Uhr gewesen sein) und sehe meine Frau winken. Plötzlich sind wir im Zimmer und ich will aufstehen, aber keine Chance. Angeblich wurde ich mit Messgeräten verkabelt und Infusionen getränkt – Keine Ahnung. Ich höre noch meine Frau „Tschüss sagen“, danach falle ich in einen Tiefschlaf.
Gegen 18:00 Uhr werde ich wieder wach und meine Nachbarin liegt auch wieder im Zimmer. Sie hat das Entfernen der Nierensteine gut überstanden, kämpft aber noch mit den Nachwehen der Narkose. Ich schlafe wieder ein und nachts um 01:00 Uhr mache ich meine ersten Gehversuche auf die Terrasse. Kein Problem mehr – Schön.

10. Jan. 2014
„Guten Morgen die Damen, in Spaßzimmer 112!“ Wir wurden von der Schwester begrüßt und ans Messgerät (Blutdruck und Puls) angeschlossen. Es gab noch die obligatorische Thrombosespritze und endlich kam das heißersehnte Frühstück. Dann gammelten wir so vor uns her und der Tag verging.

11. Jan. 2014
Meine Frau besuchte mich kurz und brachte noch ein paar Dinge vorbei und der Chirurg Dr. Heß schaute sich das Operationsgebiet fachmännisch an. Es sah so weit gut aus und natürlich war es noch geschwollen, blutete hier und da und zwickte und zwackte, aber keine großartigen Schmerzen nur halt sehr unangenehm. Das Wasserlassen war allerdings sehr kryptisch.

Er sagte mir, dass ich wohl am Montag nach Hause kann, die Operation ca. 45min. gedauert hatte und ich fleißig kühlen solle. So verging dann auch dieser Tag, nicht ohne zu fragen, ob wir denn nicht für das Abendfernsehen Piccolo und Erdnüsse bekommen könnten – „Neee ist klar“, kam von der Schwester zur Antwort.

12. Jan. 2014
Meine Nachbarin bekam Besuch und ich schaute, mit vielen kleinen Unterbrechungen, Fernsehen. Kurz nach dem Abendbrot schlief ich ein.

13. Jan. 2014
Ich wurde durch die Manschette des Messgerätes am Arm unsanft geweckt und hatte wohl tief und fest geschlafen. Kurz danach Frühstück und mittendrin Visite und Stuhlgang – Pöh, was für`n Stress.
Die Schwestern waren traurig, dass wir heute schon das Krankenhaus verlassen würden, denn hier bei uns gab es immer etwas zu lachen und sie hatten mit uns wenig zu tun.

Meine Nachbarin wurde gegen 10:00 Uhr von Ihrem Sohn abgeholt und wir verabschiedeten uns. Ich musste noch auf die finale Untersuchung warten.
Dann gegen 13:00 Uhr konnte auch ich meine Sachen packen, meine Frau informieren und das Zimmer neuen Patienten übergeben.

Nun am Dienstag, den 14. Jan. 2014 sitze ich hier zu Hause auf meinem Sitzring, schreibe diese Zeilen und hoffe auf eine schnelle und gute Wundheilung.

Freitag 11:45 Uhr, ich sitze auf dem „Thron“ bei der Gynäkologin. Sieht gut aus – Weiter pflegen – Keine Entzündung – Noch nicht Arbeiten gehen (AU verlängert) – In ca. 2 Wochen Fäden ziehen.
Kurz und schmerzlos und ich ziehe wieder nach Hause zum Pflegen……

Nun pflege ich und mach` und tu` aber immer wieder blutet es, schmerzt leicht (Zuppft, zieht und zerrt) und das Wasser lassen ist auch noch relativ kryptisch. Da wird wohl die Frauenärztin noch einmal einen prüfenden Blick drüber schweifen lassen müssen und ob ich schon wieder arbeiten gehen kann, wage ich zu bezweifeln.

Nun die Zweifel waren dann auch nicht so ganz unbegründet und so war ich heute am Freitag, den 24.1. wieder bei der Frauenärztin. Sie führte auch gleich eine Mini-OP an mir durch. Alle störenden Fäden wurden gezogen, altes bakterielles Blut „abgelassen“ und mit viel Kochsalzlösung ausgewaschen … Autsch und nochmal Autsch …, so dass sich gar nicht erst eine Infektion einstellen kann. Ansonsten zwei Mal am Tag mit klarem Wasser abduschen und noch mal eine weitere Woche zu Hause bleiben. Irgendwann wird ja wohl das „Operationsgebiet“ aufgeben und heilen!

Heilfleisch adé! Ich habe seit zwei Tagen Druckschmerz und auch meine Frauenärztin ist gar nicht zufrieden mit dem Heilungsprozess: „Das sah aber letzte Woche besser aus.“
Wegen der Entzündung an einer Narbe, werde ich nun mit Antibiotika bombardiert und muss noch eine Woche das Haus hüten.

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