Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Nicoles Schritte zur Transition

Autorin: Nicole

Hallöchen,
jetzt möchte ich doch mal wieder etwas hier schreiben.
Ich habe auch noch ein paar Fragen, die ich auch gleich loswerden möchte.

Erst einmal:
Das erste Gespräch mit Leuten, die mich beim Outing im Betrieb unterstützen werden und hinter mir stehen, liegt nun schon über eine Woche hinter mir. Dies sind er Werksarzt, der Betriebsratsvorsitzende des Werks und der Sozialberater. Leider dauert es bis zu dem nächsten Termin aufgrund verschiedener Urlaube noch genau einen Monat, bei dem wir die genaue Strategie für das Outing festlegen und den nächsten Termin mit meinen Vorgesetzten zusammen vorbereiten. Dinge die geklärt werden müssen: Toilettenbenutzung, Umkleidemöglichkeit, wie informieren wir meine Kollegen…
Wahrscheinlich werden wir zusammen eine Email verfassen, der ich einen offenen Brief anhänge. (Ich habe mir bei Xenia Ideen und Formulierungen für meinen offenen Brief abgesehen… )
Eigentlich dauert mir das zu lange, aber das gibt mir Gelegenheit, noch mehr Informationen für die 3 Helfer zusammenzutragen.

Etwas Neues….
Diese Woche treten meine Frau und ich in einen Verein ein. Und ich werde dort direkt von Anfang an Nicole sein. Mit den meisten dort haben entweder ich, oder unsere Bekannten schon gesprochen und bisher ist noch nichts negativ drüber gekommen.

Ich warte grad auf die Kostenübernahme der Therapie durch die Krankenkasse. Aber das ist nur eine Zeitfrage, denn es gibt keinen Grund abzulehnen (Mein Therapeut hat die Kassenzulassung).

Nun meine Fragen:
Ich habe gelesen, dass Xenia Befunde für die Anträge beim Gericht abgegeben hat.
Was muss der Urologen untersuchen und im Befund bescheinigen?
Was muss der Neurologe untersuchen und im Befund bescheinigen?
Was muss der Gynäkologe untersuchen und im Befund bescheinigen?
Ich möchte den Antrag nach TSG für Namens und Personenstandsänderung bald stellen. Wann muss ich die Ärzte oben aufsuchen? Geht das noch vor dem Endokrinologen?
Ich habe von der Hausärztin im Konsiliarbericht für die Psychotherapie F64.0 und als nötige Behandlung Hormongabe stehen. Reicht das schon für den Endokrinologen?
Ich habe zwar erst seit etwas 3 Monaten wieder einen Therapeuten, aber kann ich trotzdem schon die Anträge stellen? (Ich war allerdings bereits von 2004-2005 und von 2007-2009 in Therapie mit Schwerpunkt „Durchhalten“). Den Alltagstest privat mache ich bereits seit letzten Sommer (ohne Begleitung durch einen Therapeuten), im Haus (Hochhaus) seit September. In der Umgebung (ich sag mal so etwa 2-3km um das Haus) seit Anfang Dezember. 100% geht erst nach dem Outing im Betrieb, das ich gerade vorbereite.
Ach ja. Vielleicht kann man ja auch die Zeiten jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit (ca. 1 Stunde) täglich, die ich auch als Frau verlebe (das hat mich am Leben erhalten) ja als eine Art Alltagstest mit werten. Dies mache ich täglich bis auf ganz wenige Ausnahmen schon seit 2004. Dabei hat mich auch nicht die allgemeine Kontrolle der Polizei beeindruckt, die einmal morgens kam.

Und da waren noch Besuche bei der Selbsthilfegruppe in Köln von 2004 bis 2009 (etwa 40 insgesamt). So was zählt doch auch, oder nicht?
Wann kann ich einen Antrag auf Kostenübernahme der Epilation stellen?

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Mal wieder ein Update.
Viel Stress die letzten Wochen. Besuch an Karneval, viele Arzttermine, Einiges rund um das Outing im Betrieb. Und zu viel Arbeit für zu wenig Mitarbeiter im Betrieb…..

Den Urologen habe ich hinter mir. (habe ich an andere Stelle ja schon beschrieben).
Bei mir ist soweit alles in Ordnung und den Befund habe ich nun auch (Krebsvorsorge usw. auch erledigt).
Beim Neurologen kurz erwähnt, dass ich mit „Frau“ angesprochen werden möchte und das war gar kein Problem und ist direkt ohne Patzer umgesetzt worden. Der Befund ist auch OK und wird meiner Hausärztin zugeschickt.
Jetzt habe ich auch eine Gynäkologin. Sie hat schon viel Erfahrung mit transidenten Personen und wird später meine Hormontherapie übernehmen, sobald sie die Indikation von meinem Therapeuten hat (Das wird wohl am Sommeranfang soweit sein). Sie übernimmt auch die weitere gynäkologische Betreuung von mir. Zum Endokrinologe muss ich trotzdem, weil sie ein paar Untersuchungen nicht machen darf, die nur Endokrinologen machen dürfen.

Karneval war ganz nett. Aber ich war nicht wirklich intensiv dabei. Außer an einem Karnevalszug wurde ich gebeten, einen Wagen mit Wurfmaterial im Zug zu fahren. Unvorbereitet und unverkleidet habe ich (Nicole) den Wagen gefahren und ich wurde dort als Nicole akzeptiert.

Und nun noch ein ganz wichtiger Punkt:
Ich hatte das 2. Gespräch mit den 3 Helfern in der Firma. Wir haben über meinen Zeitplan gesprochen, wie ich mir das Outing im Betrieb vorstelle:
1- Gespräch mit den beiden direkten Vorgesetzten
2- Gespräch mit Personalabteilung
3- Planung der Veränderungen im Betrieb (Toiletten, Umkleideräume)
4- Email an die Kollegen am letzten Tag vor meinem Urlaub
5- Urlaub
6- Nach dem Urlaub 1.Tag als Frau im Betrieb

Punkt 1 habe ich auch schon hinter mir. Der Gesamtbetriebsrat war auch anwesend. Das Ergebnis: Meine Vorgesetzten stehen auch hinter mir und eine Lösung für das Umkleiden ist auch schon gefunden. Ich bekomme sowieso den Toilettenschlüssel für die Damentoilette und in einer der Etagen wird ein Spind für mich aufgestellt. Nur der Zeitplan kommt den beiden etwas knapp vor, denn mein erster Tag soll am 31.3. sein und bis zu meinem Urlaub ab dem 21.3. müssen wir alles geklärt haben. Aber das schaffen wir bestimmt. Auch die beiden sind der Meinung, dass wir bis zu meinem Urlaub und der Email niemandem im Betrieb etwas sagen sollten.

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Danke Nathalie.
Zum Glück stehen alle hinter mir. Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Xenia und Ava.
Ja, es geht nun schnell. Aber die Schritte sind schon bedacht und so wie sie ablaufen notwendig.
Seit Anfang Januar habe ich den (offiziell von meinem Therapeuten so festgestellt) Alltagstest begonnen. Aber durch das fehlende Outing am Arbeitsplatz, war immer noch eine ziemlich unerträgliche Heimlichtuerei notwendig, indem ich mich morgens auf dem Weg zur Arbeit als Mann verkleide und nach der Arbeit zu Hause wieder die Frau sein konnte. Mal abgesehen von den Nachbarn, die mich mal als Frau und mal als Mann sehen, hat auch meine Familie mit den dauernden Wechseln so ihre Probleme. Meine Frau und die Kinder sprechen mich mal als Mann und mal als Frau an. Und verwechseln das dann und wann auch. Besonders in der Öffentlichkeit schon ein kleines Problem.
Und zu oft muss ich noch den Mann spielen, weil der ein oder andere aus dem Betrieb in der Nähe sein könnte. Das Zwangsouting muss ich halt immer noch verhindern. Auch meine Familie unterstützt mich dabei, nun den Schritt zur Vollzeitfrau zu gehen. Ich merke, dass es der richtige Weg ist.

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Es gibt mal wieder etwas Neues zu berichten. Letzte Woche hatte ich einige Gespräche mit meinen Vorgesetzten, dem Betriebsratsvorsitzendem, Personalabteilung usw. In allen Gesprächen wurde mir Unterstützung und Hilfe versichert. Allerdings ist die Vornamensänderung doch etwas schwieriger, als gedacht. Der Firmeninterne Name kann problemlos geändert werden. Im internen Telefonbuch, meine Email-Adresse und im Organisationsplan werde ich dann mit Nicole geführt. Aber der Name, der in der Buchhaltung geführt wird, kann erst nach der Vornamens/Personenstandsänderung angepasst werden, da hier automatisch Kontakt mit Finanzamt und Rentenversicherung gehalten wird. Und erst wenn dort die Änderungen vollzogen sind, kann der Vorname komplett geändert werden. Aber die Personalabteilung sucht noch nach anderen Möglichkeiten.

Ach ja. Heute war mein letzter Tag als Mann im Betrieb. Ab dem 31.3. gehe ich als Frau arbeiten. Die Email von meinen Vorgesetzten sollte am Nachmittag rausgegangen sein…. Jetzt geht alles seinen Weg. Ich fühle mich nun ein wenig erleichtert.

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Bei uns ist das wohl auch so, dass die Dinge extern geregelt werden. Also das Thema Verwaltung der persönlichen Daten in SAP usw. ist mit den Daten verbunden, die nach der Namens und Personenstandsänderung erst geändert werden. Kann gut sein, dass die Daten irgendwo in Indien verwaltet werden. Unsere Drucker werden auch von dort aus konfiguriert. Ich hab mal mit dem Helpdesk gesprochen und derjenige auf der anderen Seite der Leitung saß in Indien und hat sich fast totgelacht, als ich dem gesagt hatte, er solle doch vorbeikommen und den Drucker direkt einstellen. Danach wusste ich auch, dass viele Ansprechpartner was IT-Probleme angeht in Indien sitzen.

Die Firma hat mehr als 100.000 Mitarbeiter weltweit. Und für mich werden die bestimmt nicht die Programmierung für die Personaldaten ändern. Aber das ist auch nicht so wichtig, weil intern ein sogenannter xxxxx (dort steht der Firmenname) – Name existiert. Dieser gilt für jede interne Korrespondenz, für das Organigramm und ähnliches. Das ist ähnlich wie mit dem Künstlernamen. Die interne und externe Emailadresse kann wohl auch schon umgestellt werden, aber das glaube ich erst, wenn ich das sehe.
Anscheinend ist mein Anliegen für die Personalabteilung wohl doch noch neu. Ich denke, die Fälle, die vorher waren, haben erst nach der Namens- und Personenstandsänderung die Änderungen angestoßen. Die für mich zuständige Personalmitarbeiterin hat bisher erst vor vielen Jahren mit einer Transsexuellen zu tun gehabt, die wohl auch andere Probleme hatte. Denn sie ist der Abteilung und jedem gegenüber, der ihr helfen wollte so aggressiv entgegengetreten, dass sie für die Abteilung nicht mehr tragbar war. Damals hat es wohl viele Probleme gegeben. Dieser Fall hat mir bei den ersten Gesprächen ein wenig Schwierigkeiten bereitet, weil es mir gegenüber wohl auch Vorurteile gab. Aber meine Vorbereitung, nicht zuletzt durch eure aller Hilfe und mein Auftreten kam wohl so positiv rüber, dass mir das auch schon durch meine Helfer bestätigt wurde.

Der Start war also ganz gut, denke ich.

Ach so. Von den Kollegen, die meine Kontaktdaten haben, hat sich bisher niemand gemeldet. Ich gehe davon aus, dass auch niemand die Email bisher gelesen hat, denn wenn die von meinen Vorgesetzten wie geplant auf den Weg gebracht wurde (zwischen 15 und 16 Uhr), war eh kaum noch jemand in der Firma. Oder ich bekomme die ersten Reaktionen am nächsten Arbeitstag.

Jetzt habe ich noch eine Woche Zeit, mir etwas auszusuchen, was ich anziehen soll.
Dabei fällt mir auf, dass ich gar nichts anzuziehen habe. Auf jeden Fall muss es etwas praktisches sein, denn ich werde wohl erst im Laufe des Tages den Schlüssel für die Damentoilette bekommen. Wegen Umziehen und so. Und mit Rock könnte ich gar nicht arbeiten… Also … Hose… gut. …. Aber Hosen habe ich eigentlich nicht. Leggings… passt auch nicht.
Hoffentlich halte ich lange genug durch, bevor ich den Toilettenschlüssel bekomme…
Bin ich nervös? …. nein, ich doch nicht…… ok… ein wenig schon……………. nein. …. wohl doch eher sehr…

Der letzte Tag gestern war irgendwie ohne Besonderheit. Es war so viel los, dass ich den ganzen Tag nicht zur Ruhe gekommen war. Besonders war nur, dass ich meine Spinde im Männerumkleidebereich leergeräumt habe. Alles Alte in die Wäsche, was nicht Arbeitskleidung war im Büro in den Schreibtisch. Frischwäsche ist eh in einem Bereich außerhalb der Umkleideräume.

Der Tag wird bestimmt sehr spannend

Bis bald. Nicole

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