Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Noch 14 Tage

Autorin: Stefanie

Hallo zusammen,

jetzt sind es noch 2 Wochen bis es nach Essen zur OP geht.
Aktuell merke ich auch eine gewisse Anspannung, die aber mehr als nur die OP als Grund hat. Ich hatte mich entschlossen, nicht alle Medikamente auf einmal abzusetzen und daher zuerst schon mal das Androcur seit vergangenem Dienstag abgesetzt. Zuerst merkte ich gar nichts davon, aber seit ca. 2 Tagen merke ich wie ich doch leichter reizbar bin. Zuerst fiel es mir gar nicht so auf, bis ich mich dann daran erinnerte, dass ich dies das letzte Mal deutlich vor Beginn der HRT hatte. Aber seitdem mir das bewusst wurde, kann ich nun auch ein wenig besser damit umgehen. Aber nun bin ich mal gespannt, was es dann bedeutet, wenn ich nun nach diesem Wochenende auch das Gynokadin absetze. Ich hoffe dass ich in den nächsten 2 Wochen für meine Umwelt halbwegs erträglich bleibe. 🙂

Ansonsten hat sich in den letzten Wochen nicht mehr so viel getan. Ich war noch mal bei meiner Gynäkologin um sie über den OP Termin zu informieren und zu fragen, ob sie noch Informationen von mir braucht. Sie sah das sehr locker und meinte nur, sie bräuchte halt nicht mehr als die klassischen Informationen der Klinik bzgl. der Nachversorgung.
Meinen Hausarzt habe ich dann auch noch informiert, da ich von ihm ja auch die Einweisung für das Krankenhaus brauche. Die wird er mir dann die Woche davor fertig machen, so dass ich sie dann einfach zwischendurch abholen kann.

Die meisten Vorbereitungen für die ersten Wochen danach habe ich nun auch erledigt und eigentlich warte ich nur noch darauf, dass die nächsten 2 Wochen auch irgendwie vorbeigehen.

Ach ja, Anfang der Woche hatte ich ein 2-tägiges Seminar zum Thema ‚Persönliche Entwicklung‘. Seminarleiter war jemand, der sich selbst als ‚Tierpsychologe‘ vorstellte. Was anfangs ein wenig schmunzelnd aufgenommen wurde, entpuppte sich für mich als echten Glücksgriff.
Aktuell sehe ich es gerade im beruflichen Umfeld nicht mehr als meine Aufgabe mich in z.B. einer solchen Seminarrunde vorab zu outen. Das war auch nie ein Problem, da ich einfach als die Person angenommen werde, als die ich auftrete. So war es in diesem Seminar für mich eine recht interessante Erfahrung mit dem Trainer eine Person zu haben, die mich recht schnell ‚gelesen‘ hat und auch ein paar leicht provokante Aussagen in meine Richtung gemacht hat. Nicht falsch verstehen, er hatte schon zu Anfang angedeutet, dass er so vorgehen würde (und das tat er auch nicht nur bei mir) und uns ein ‚STOPP‘ Zeichen genannt, falls er zu weit gehen sollte.
So habe ich dann aber auch mal von einer recht neutralen Seite mitbekommen wie ich denn eigentlich so auf Fremde wirke. Ich hatte mittlerweile meine 1,90m fast verdrängt, aber zusammen mit den etwas breiteren Schultern als eine Gebürtige und der auch etwas maskulineren Stimme, kann ich wohl unbeabsichtigt ein wenig einschüchternd wirken. Ich kann das normalerweise durch meine Art gut ausgleichen, aber manchmal zählt halt nur der erste Eindruck.
Dieses Seminar hat mir einiges über mich selber gezeigt. Recht amüsant für mich war eine Situation, wo ich mal wieder den Unterschied zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung feststellen durfte. Den Anfang machte ein Quadrant den der Trainer mit Kreppband auf den Boden klebte. Auf der einen Linie waren introvertiert und extrovertiert und der anderen Ergebnis- und Beziehungsorientiert die Eckpunkte. Jetzt sollten sich alle in den Quadranten stellen, in den sie sich einordnen würden. Als diese Aufforderung kam, war ich kurz draußen und somit die letzte die sich ‚einsortieren‘ sollte. Da traf es sich aus meiner Sicht ganz gut, dass der Quadrant direkt vor mir (introvertiert und Beziehungsorientiert) noch leer war, denn genau da sah ich mich. Dann kam die Frage des Trainers an die Gruppe ob alle mit der Eingruppierung des anderen einverstanden seien. Zu meinem Erstaunen meinten die meisten ich stünde mit ‚introvertiert‘ wohl auf der falschen Seite. Es kam dann aber auch eine Erklärung, die mir zeigte, wie leicht andere dich in einem Licht sehen können, was man selber so nicht sieht. In der letzten Pause vor dieser Übung hatten wir ein angeregtes Gespräch an dem ich zugegeben recht aktiv teilgenommen hatte. So war die Einschätzung der Gruppe mir gegenüber eher ‚extrovertiert‘ während ich bei mir selber eher immer die Situation sehe, wenn ich neu in eine Gruppe komme und dann eher introvertiert und sehr ruhig bin. Hier war dies aber am zweiten Tag und ich fühlte mich in der Gruppe wohl und vor allem habe ich mittlerweile auch dank des Gendertreff ein paar Hemmungen der Vergangenheit abgelegt.

Daher kann ich allen hier nur sagen, der Anfang ist selten leicht oder einfach. Entscheidend ist das, was in uns steckt. Es kann ein wenig dauern, bis man sicher ist, wohin es einen trägt, aber irgendwann ist es soweit.
Wie hier schon sehr häufig dargestellt, gibt es nicht den einen richtigen Weg, sondern den individuell richtigen Weg. Manche brauchen etwas länger, andere sind etwas schneller. Für alle aber gilt meiner Meinung nach, ihr seid nicht alleine wenn ihr nicht alleine sein wollt. Ich habe sehr lange gebraucht allein um zu verstehen, dass es Dinge gibt, die man nicht alleine bewältigen kann. Allerdings gehört auch Vertrauen oder ein großer Leidensdruck dazu, Dinge zu ändern. Dies war auch eine Anmerkung des Trainers in dem Seminar. Man muss zuerst die Schwelle der Unerträglichkeit erreicht haben, bis man von sich aus was ändert und diese Schwelle kann teilweise sehr hoch sein.

Liebe Grüße

Steffie

 

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