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Nathalies zweite Sitzung der GaOP

Autorin: Nathalie

Nathalie berichtet über Ihre Erfahrungen bei der zweiten Sitzung zur geschlechtsangleichenden Operation in der Uniklinik Essen.

Irgendwie habe ich mich auf die zweite Sitzung gefreut. Es war ja nicht mehr ganz so lang hin und der geplante Eingriff ist bei Weitem nicht so groß wie beim ersten Mal. Die Vorbereitung darauf ist auch entsprechend weniger umfangreich. Zum Beispiel entfällt die Diät, wie vor dem ersten Eingriff, da keine großen interne Maßnahmen geplant sind. Begleitet werde ich nach dem Krankenhausaufenthalt von meiner neuen Gynäkologin. Eine Woche vor der Operation hatte ich einen Besprechungstermin vereinbart. So konnten wir uns kennenlernen und absprechen, wie ein gemeinsamer Weg möglich ist. Positiv ist, dass ihr die transidenten Patienten nicht fremd sind, da sie während der Ausbildung in der Uniklinik Essen Erfahrungen sammeln konnte.

Leider gab es parallel zu der Operationsvorbereitung ein weiteres, wichtiges Thema, welches es zusätzlich zu bewältigen gab. Mein Arbeitgeber hatte vor, ein Viertel der Belegschaft abzubauen. Natürlich betraf es jeden Mitarbeiter in der Firma. Es ist eigenartig, aber sofort kam in mir eine Unruhe auf. Stress ist niemals gut, manchmal aber nicht zu vermeiden. Man sah es mir auch an, da meine Nesselsucht, ein nervig juckender Ausschlag in voller Blüte stand und auf dem gesamten Körper ausgebrochen ist.

So begann ich, die benötigten Sachen in den Koffer zu packen. Früh am Morgen brachte mich Silvia zur Klinik, wo der normale Trubel längst im Gange war. Da es erst 8 Wochen her war, dass ich das Krankenhaus verließ, war es ein schönes Wiedersehen mit dem gesamten Personal. Die üblichen Vorsorgeuntersuchungen wie EKG, Narkosegespräch sowie die Vorgehensweise bei der OP durch den Oberarzt füllten den gesamten Tag. Genauso wie bei der ersten Sitzung spürte ich keine große Aufregung, so dass die Nacht sehr ruhig verlief.

Meine OP, an der zweiten Stelle, sollte erst gegen 9:00 Uhr beginnen. Gemütlich wollte ich den Tag anfangen, bis auf einmal früh morgens die Türe aufgerissen wurde. Die erste Operation des Tages fiel aus und so musste ich mich eilig ankleiden und zum Abtransport bereitmachen. Auf dem Weg durch die Station kamen wir an der Aufnahme vorbei, wo ich kurz die vorbereitende Medikation bekam. Im Operationsvorraum war dann wieder etwas mehr Ruhe. Die Vorbereitungen liefen routinemäßig ab, so dass ich ein paar Minuten später eingeschlafen war. Den OP selbst sah ich wieder nicht.

Ich schlug die Augen auf und bemerkte, dass ich komplett wach war. Der Aufwachraum schien gut gefüllt und bei mir stand ein Pfleger, der sich um mich kümmerte. Mir ging es gut, anders als bei der ersten Sitzung im November. So kabelte er mich von den Geräten ab. Dabei bemerkte er einen dunkelroten fast braunen Streifen, der von meiner Hand an Arm hochlief. Sofort wurde der Arzt informiert und schnell war die Infusion entfernt. Mir wurde aufgetragen, sehr genau den Verlauf der Linie zu beobachten, den er mit einem Stift markierte. Dann brachten mich die Pfleger wieder zu meinem Zimmer, wo ich noch ein wenig ausschlief.

Am Nachmittag kam Silvia zu Besuch. Der Streifen ist zum Glück vollständig zurückgegangen, so dass ich von dem Erlebnis berichten konnte. Nebenbei bemerkte Silvia, dass mein Gesicht aufgequollen, ja sogar kugelrund war. Mir war es nicht bewusst und schaute in meinen Spiegel. Es lang bestimmt an der Atemmaske, die ich im Aufwachraum bekommen habe. Nach einiger Zeit bemerkte ich aber, dass ich schwerer Luft bekam und begann, als erste erlernte Maßnahme bei Luftnot, mit einem Hub meines Asthmasprays entgegenzuwirken. Die erhoffte Wirkung blieb aber aus. Da ein dringender Termin anstand, musste Silvia gehen. Ich beruhigte sie, da mir ja solche Asthmaanfälle bekannt waren, so dass sie sich keine größeren Sorgen machen brauchte. Nach einiger Zeit und einer Dosis Theophylin, die auch nicht half, schellte ich nach der Stationspflege, da so langsam meine Zunge angeschwollen ist und das Atmen anstrengend wurde. Wir beschlossen, dass sofort eine Dosis Kortison, welches ich ebenfalls mitgenommen hatte, nehmen sollte und sie dem zuständigen Arzt Bescheid gab.

Nach einiger Zeit besserte sich meine Atemnot, so dass der Arzt nicht mehr viel machen brauchte, für den Abend aber eine Mischung aus Antihistamin und Kortison als Infusionslösung bereitstellte, falls es wieder zu einem Rückfall kommen sollte. Zudem sind alle Medikamente, die ich vom Krankenhaus bekam, entfernt worden. Nur noch meine eigenen Medikamente für die Asthmabehandlung durfte ich weiter nehmen. Zum Glück verlief die Nacht ohne Zwischenfälle, so dass auch meine Zimmergenossinnen, die durch den Anfall doch etwas erschreckt waren, eine ruhige Nacht hatten.

Ein paar Tage später, Sonntag drei Tage nach der Operation, durfte ich das Krankenhaus wieder verlassen. Der Katheter war gezogen, die Wunde sah, bis auf ein paar Hämatome, gut aus, so dass ich mich zu Hause weiter schonen konnte.
Was ich in der Nacht von Montag auf Dienstag gemacht habe, weiß ich nicht. Das Ergebnis sah ich morgens in der Vorlage, die etwas mehr Wundsekret und Blut als sonst aufgefangen hatte. Natürlich schaute ich mir die Angelegenheit mit meinem Spiegel an, konnte aber noch nichts Ungewöhnliches feststellen. Das änderte sich am Donnerstagmorgen, als die gesamte Vorlage mit altem geronnenem Blut gefüllt war. Da ich etwas Angst bekam, telefonierte ich sofort mit meiner Gynäkologin. Wenig später saß ich auf Ihrem Stuhl und Frau Doktor sondierte die beschädigte Stelle, um die Tiefe festzustellen. Die Naht war gerissen und durch das Hämatom ist eine Tasche entstanden. Es war nicht sehr angenehm, doch die Ärztin musste das geronnene Blut herausbekommen. Sie nannte das ausmelken und nutzte dazu mehrere Kompressen, die sie mit größter Vorsicht gegen die Schamlippe drückte, bis alles heraus war. Als sie fertig war, lag eine ganze Nierenschale voll mit Blut und benutzten Kompressen. Das Wichtigste war ab sofort die einhundertprozentige Hygiene, um keine Entzündung zu riskieren.

Ein paar Tage später war der Nachsorgetermin in der Uniklinik vereinbart. Natürlich lag die gesamte Aufmerksamkeit auf den Beschädigungen, die sich weiter fortgesetzt haben. Dabei entfernte der Doktor teilweise Nähte, die herausgerissen waren und eh nichts mehr hielten. Wir mussten abwarten, wie sich die beschädigten Stellen verhalten, um dann zu entscheiden ob und wie noch einmal genäht wird. Eine Wartezeit von drei Wochen würde ausreichen und ein Termin vereinbart. Es hieß jetzt maximale Schonung, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Das Grausame an dem ganzen Theater war, dass ich immer noch mit der allergischen Reaktion zu tun hatte, so dass Schmerzmittel nur mit größter Vorsicht einzunehmen waren. Um kein Risiko einzugehen habe ich die gesamte Zeit keine Schmerzmittel genommen.

Zu meinem Glück sind die Hauttaschen von selbst so zugewachsen, dass keine weitere Naht oder der nächste Krankenhausaufenthalt notwendig sind. Wochenlang penible Hygiene, kaum sitzen, ein bisschen Bewegung und mit viel Geduld konnte die Wundheilung verbessert werden. Zwischendurch wurden kleine Stellen, die nicht zuheilen wollte, mit Höllenstein behandelt, um schnell eine neue Hautschicht zu bilden. Es hat funktioniert, so dass ich jetzt, nach sechs Wochen Arbeitsunfähigkeit meine Beschäftigung wieder aufgenommen habe. Auch starte ich langsam, ohne große Belastung, mit sportlichen Aktivitäten.

Natürlich habe ich mit den ganzen Schwierigkeiten nicht gerechnet, bin aber von dem Ergebnis mehr als beeindruckt. Über die nächsten Wochen und Monate werden sich die Verhältnisse noch verändern, Verhärtungen und Narben verheilen, sowie die Hautschichten sich an die neuen Gegebenheiten gewöhnen. Es wird noch lange dauern bis ich mich von den Eingriffen vollständig erholt habe, der Alltag ist noch mühsam aber machbar. Trotzdem bin ich so glücklich, dass ich diesen Schritt getan habe. Ich kann mein Glück kaum in Worte fassen und erlebe eine innere Zufriedenheit, die ich mit großer Freude auch nach außen zeige, so dass die Mühen und Schmerzen der letzten Wochen fast vergessen sind.

Viele Grüße

Nathalie

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