Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Was in der Uni Essen zur GaOP geschah

Autorin: Stefanie

 

Hallo zusammen,

hier dann mal ein kurzes Update was sich die letzten Tage getan hat.

Am 17.03. 2015 war der Tag dann endlich gekommen, die GaOP in der UK Essen. Ich war gleich morgens früh dran, so dass mir kaum Zeit blieb an diesem Tag groß nervös zu werden. Ich wurde um 5:30 geweckt, habe mich frisch gemacht und die letzten Vorbereitungen getroffen. Kurz nach 7:00 ging es dann auch schon in den OP Bereich. Die Beruhigungstablette tat ihre Wirkung und ich konnte alles was noch kam mit einer großen Gelassenheit hinnehmen. Rückenmarkskatheter wurde gesetzt wie auch ein Zugang an der linken Hand. Dann durfte ich mich wieder hinlegen und es wurde eine Atemmaske gereicht mit den Worten „Das ist Sauerstoff atmen sie bitte tief ein.“ Beim dritten Einatmen musste ich kurz husten und beugte mich etwas nach vorne, dadurch bekam ich aus dem Augenwinkel noch mit, wie etwas an den Zugang an der Hand angeschlossen wurde. Dann war ich weg.

Ohne jegliches Zeitgefühl wachte ich irgendwann wieder auf und ich war sofort auch wieder klar. Ich war zwar recht erschöpft, aber bekam mit, dass ich noch irgendwo im OP Bereich sein musste anhand der vielen Maschinen. Dann fragte mich jemand, ob es mir gut ginge und ich krächzte ein ja es sei alles ok. Dann kam die Frage ob ich meine Füße bewegen könnte, was einwandfrei funktionierte. Kurz darauf wurde ich dann auch schon wieder in mein Zimmer geschoben (das muss irgendwann kurz vor 15:00 gewesen sein).
Dort fielen mir dann erst mal nur zwei Dinge auf: ich hatte das permanente Gefühl mal Pipi zu müssen (das dann auch erst am Morgen danach nachließ) aber dem man ja nicht nachgeben konnte (Bettruhe) und eigentlich auch keinen Sinn machte (Blasenkatheter und darüber lief auch alles problemlos ab) und mir tat bereits jetzt ein wenig der Rücken weh (was aber zum Glück dann auch wieder nachließ). Leider konnte ich aber weder den Rest des Tages noch die Nacht wirklich mal richtig durchschlafen. Ich bin immer wieder eingedöst, aber durch die dauernde Geräuschkulisse immer wieder aufgeschreckt. Als mir dann abends was zu essen angeboten wurde bin ich noch bei Tee geblieben, weil Hunger hatte ich trotz 3 Tagen flüssiger Ernährung in dem Moment keinen.

Am nächsten Morgen (Mittwoch) hatte ich aber dann doch schon wieder etwas Hunger und genoss einfach vom Frühstück ein trockenes Brötchen (ich muss dazu sagen, ich esse sehr gerne einfach ein trockenes Brötchen ohne Belag). Es war herrlich. Der Tag an sich war mit viel dösen verbunden und am Abend einer Aussage der diensthabenden Ärztin, die mich irritierte und zwar morgen würde ich dann ein Abführmittel bekommen. Im Nachgang erzählte man mir dann, dass sei normal da man im Rahmen der OP den Darm stillgelegt hätte (ich frage mich bis jetzt ob die Aussage wirklich korrekt ist) und man den Darm so wieder in Gang setzen wolle. Naja, ich habe mir gedacht, da kann ich drüber nachdenken, wenn es soweit ist. Im Laufe des Tage merkte ich aber, dass ich richtig fiese Blähungen bekam (was sich im Nachgang als Narkosenachwirkung und bei mir auch dem Schmerzmittel was über den Rückenmarkskatheter ausgelöst wurde).
In der Nacht bekam ich dann Bauchschmerzen und die Nachtschwester gab mir Tropfen dagegen und ich nahm dann auch gegen 3:30 morgens die 4 Abführtabletten die man mir bereits hingelegt hatte (die sollten in 4 bis 6 Stunden normalerweise wirken).
Am Donnerstag sollte nun der erste Verbandswechsel gemacht werden und zuerst hieß es, dass würde eh immer erst am Nachmittag passieren. So hätte das Abführmittel ja genügend Zeit zu wirken. Es wurde 7:30 aber nichts passierte außer den nun hinlänglich bekannten Blähungen. Das Frühstück kam und ging und immer noch nichts. Kurz vor 9:30 wurde ich dann zum Verbandswechsel gebracht, also deutlich früher als gedacht und ich hatte da eine schlimme Befürchtung (die aber so nicht eintrat). Für den Verbandswechsel durfte ich dann das erste Mal die Beinablagen für eine gynäkologische Untersuchung kennenlernen. Der Verbandswechsel an sich verlief absolut problemlos und ich durfte per Spiegel sogar einen ersten Blick auf meinen „umgebauten“ Intimbereich werfen. Es gibt wenig ernüchternderes als ein geschwollenes etwas mit einem Loch in der Mitte zu betrachten auch wenn die Ärztin mir erklärte, was davon was sein soll bzw. im Rahmen der 2. OP werden wird. Naja ich hatte es zumindest gesehen, dass sich was Entscheidendes verändert hatte. Und es wurde mir gesagt, dass es schon sehr gut aussähe und bis auf an einer Stelle im hinteren Bereich auch keine großen Hämatome zu sehen seien.

Danach ging es wieder aufs Zimmer und das eigentliche Drama des Tages nahm seinen Lauf. Gegen 15:00 zeigte das Abführmittel eine erste aber nur minimale Wirkung. Kurz nach 17:00 ging es dann aber richtig los und ich war froh, dass ich mir die Bettpfanne aufs Bett hatte legen lassen um mir erst mal selber helfen zu können. So schnell hätte selbst die beste Pflegemannschaft nie im Leben reagieren können. Damit war es aber leider nicht getan. In unterschiedlicher Intensität ging es dann bis gegen 22:30 weiter (etwas im Takt von 1 bis 2 Stunden). Dann habe ich einfach auch aufgehört noch irgendwas zu trinken, weil gefühlt jede 100ml Wasser 200ml hinten raus ergaben.
Aber auch diese Nacht ging vorbei und es hörte dann auch zum Glück irgendwann einfach auf. Es war nun Freitag und ich konnte dann auch wieder unbeschwert essen und trinken. Mittlerweile kannte ich alles Tricks wie ich mich im Bett ein wenig anders hinlegen konnte um nicht immer nur eine Stelle zu belasten. Da ich ja immer noch nicht aufstehen durfte verbrachte ich den Tag mit Dösen, ein wenig lesen und Radiohören. Da am nächsten Tag der nächste Verbandswechsel anstand und auch gesagt wurde, der Verband würde nicht wirklich gewechselt sondern abgenommen und ich auch das erste Mal in Begleitung aufstehen dürfe, ließ ich mir für die Nacht ein Schlafmittel geben um für den Tag und was da kommen könnte gewappnet zu sein. Letztendlich war es eine fragwürdige Entscheidung. Ich habe zwar etwas besser geschlafen als die bisherigen Nächte, dafür aber meine Zimmernachbarin wachgehalten und auch für Gesprächsstoff beim Pflegepersonal gesorgt. O-Ton der Nachtschwester die Nacht darauf „Hier im Klinikum wurden alle Bäume abgesägt und auch beinahe alle Sträucher“ (ich brauchte ein paar Sekunden bevor die Frage in meinem Kopf warum haben die das getan in oh, ich war wohl gemeint umschwenkte). Ebenso hatte ich am nächsten Morgen einen so trockenen Mund wie seit Jahren nicht mehr.

Nun war Samstag und der Verband sollte ab. Ich dachte, toll dann kommst du ja mal wieder aus dem Zimmer raus aber da dachte ich falsch. Irgendwann spazierte ein Arzt rein, entfernte den Verband, säuberte vorsichtig alles ein wenig und meinte er würde einer Schwester Bescheid geben, damit sie vorbeikommt um sich um den Rest zu kümmern. Nette Aussage aber nachdem nach 10 Minuten immer noch niemand kam und ich untenrum nackig mit Blickrichtung Zimmertür da lag, klingelte ich. Es kam dann auch sehr schnell jemand, legte eine saugfähige Vorlage immenser Ausmaße davor und ich durfte dann auch meine Miederhose zum Einsatz bringen.
Ach ja, morgens hatte mich der Pfleger das erste Mal aus dem Bett geholt, was aber mein Kreislauf mit einem -was soll das denn- ziemlich schnell quittierte und ich nach ca. 3 Minuten wieder im Bett lag. Aber die Option zumindest mal wieder ins Bad zu können, ließ es mich dann ca. 2 Stunden später noch mal probieren. Diesmal kam ein Persönchen, das es niemals geschafft hätte mein Gewicht zu halten, wenn ich umgefallen wäre. Aber es ging gut, auch wenn der Gleichgewichtssinn mächtig irritiert war und es bis zum nächsten Tag und mehreren Versuchen bedurfte bis es sich wieder halbwegs normal anfühlte zu stehen und zu laufen.
Es wurde Sonntag und da mir keiner was anderes gesagt hatte beschränkte ich meinen Bewegungsradius auf Bad und das Zimmer an sich. Die weitaus meiste Zeit lag ich aber immer noch im Bett, hatte mittlerweile aber rausgefunden wie weit ich mich dort hin und her bewegen konnte.

Am Montag wurde es mir dann zu blöde und ich dachte mir, wenn keiner was sagt, versuche ich zumindest mal aus dem Zimmer raus zu gehen und mir mal selber eine neue Flasche Wasser zu holen. Meine Zimmernachbarin begleitete mich dabei, aber auch nur um Hilfe holen zu können. Der Weg klappte schon sehr gut und ich überlegte mir gerade, wie ich das erweitern könnte, als jemand ins Zimmer kam und sagte, das ja der nächste Verbandswechsel (Sammelbegriff wie ich von Herrn Professor 2 Tage vorher lernen durfte) mit dem ersten entfernen des Platzhalters anstünde und es wurde gesagt ich könne dort selbstständig hingehen. Ich meinte nur, das kriege ich wohl schon hin, wenn man mir nur noch mal sagt, wo ich hin muss. So drückte man mir meine Mappe und eine Wegbeschreibung in die Hand. Ich machte mich auf den Weg nutzte aber noch den Fahrstuhl statt der Treppe. Es klappte auch ohne Probleme, aber da merkte ich schon, was in der nächsten Zeit bzgl. einer Floskel -setzen sie sich noch einen Moment- noch auf mich zukommen würde. Ich musste aber nicht lange warten und wurde dann in den gleichen Raum geführt, wo am vergangenen Donnerstag der erste Verbandswechsel durchgeführt wurde. Ich durfte wieder auf den Tisch mit den Beinen hoch und es ging los. Der Platzhalter wurde entfernt und ich konnte einen ersten flüchtigen Blich drauf werfen. Danach wurde die klassischen Folterinstrumente einer gynäkologischen Untersuchung benutzt um sich das Werk von innen anzuschauen. Die Ärztin meinte immer wieder, das sähe alles sehr gut aus und es gebe wohl auch keine Probleme mit der Wundheilung. Danach zeigte sie mir den Platzhalter, gab mir ein paar Gummihandschuhe und führte meine Finger an die Stelle wo er eingesetzt werden muss. Das tat sie dann auch noch einmal selber und erklärte mir die aktuelle Anatomie (die sich im Rahmen der 2. OP ja noch mal ein wenig ändern wird) und bis wohin der Platzhalter einzuführen sei. Dann fragte sie mich, ob ich es selber mal mit dem Einsetzen probieren möchte. Da ich ja zu dem Zeitpunkt immer noch den Blasenkatheter drin hatte und man mir gesagt hatte, das selbstständige rausnehmen und wieder Einsetzen des Platzhalters sei eine Grundvoraussetzung um den Blasenkatheter entfernt zu bekommen, war ich entsprechend motiviert. Wir versuchten es ein paar Mal und es war eigentlich nicht sonderlich schwer nur halt extrem merkwürdig in der umgewandelten Anatomie selber rumzufummeln. Da es so gut klappte, zog sie zum Abschluss dann noch den Blasenkatheter was doch schon gemein wehtat, wobei der Schmerz nur beim Ziehen selber zu spüren war.
Dann ging es wieder aufs Zimmer und ich genoss die wiedergewonnene Freiheit. Außer dem Platzhalter hatte ich nun nichts mehr in mir stecken.

Mit der Physiotherapeutin bin ich dann an dem Tag (ich war gerade wieder zurück im Zimmer und wollte mich eigentlich ein wenig ausruhen) auch noch etwas mehr herumgelaufen und wir haben auch die Treppe genommen. Die ersten Schritte die Treppe runter fühlten sich so an, als hätte ich Kugellager in den Knien, danach ging es aber ganz gut. Auf dem Rückweg die Treppe wieder hoch war aber dann doch deutlich anstrengend (und ist es bis jetzt noch).
Am Dienstag habe ich meine wiedergewonnene Mobilität weiter ausgebaut und bin aus dem Gebäude raus in ein anderes, wo ich am Anreisetag einen Cola Automat gesehen hatte und habe mir dort eine Mezzo Mix geholt, die ich dann später richtig genossen habe.
Am Mittwoch gab es dann eine weitere Untersuchung und es wurde noch mal geschaut wie gut ich mit dem Platzhalter umgehen kann und für mich zu dem Zeitpunkt völlig überraschend kam dann die Aussage, man wolle mich nun heute gerne entlassen. Ich bekam aber noch einen Termin für eine Kontrolluntersuchung für den kommenden Montag. So blieb es mir nun zu organisieren, wie ich wieder nach Hause komme, weil geplant war eigentlich der Freitag. Zum Glück konnte meine Mutter mich dann am frühen Nachmittag abholen und so war ich dann am 25.03.2015 gegen 16:00 schon wieder zu Hause.
Aber auch hier passt dann der Titel meines Threads ganz gut (Alles hat seine Zeit). Als ich dann heute (Donnerstag) früh zu meiner Gynäkologin bin um die Unterlagen aus dem Krankenhaus abzugeben, mir ein Rezept für die nötigen Medikamente zu holen und mir auch eine weitere Krankschreibung geben zu lassen, durfte ich erfahren, dass heute der letzte Tag mit Sprechstunde ist, bevor dort 2 Wochen Urlaub gemacht wird. So aber hat das alles noch geklappt und vor allem bin ich nun erst mal für die nächsten 4 Wochen krankgeschrieben.

Wieder einen schönen Schritt weiter, auch wenn die nächsten Wochen und Monate ganz im Zeichen dieser OP stehen werden. Aber ich weiß ja auch aus guten Quellen, dass auch das vorbeigeht

 

Für Mitte April steht dann auch schon der Termin für die zweite OP fest.

Liebe Grüsse

Steffie

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