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Michaela`s Tagebuch

Autorin: Michaela

Hallo zusammen,

ich bin recht neu im Forum und nutze dann gleich mal das Tagebuch, um mich auch vorzustellen.

Ich bin 31 Jahre jung, verheiratet, zwei Kindern und stecke (noch) in einem männlichen Körper. Hinter mir liegt ein wohl doch allzu typischer Weg. Schon sehr früh hat mich das Thema „Geschlechtsangleichung“ und „Mädchen/Frau sein“ auf eine unbeschreibliche Art und Weise berührt. Aber ich hätte mich nie getraut, mich irgendjemand gegenüber zu outen; bei den wenigen, wo ich es getan habe, war es dann auch sehr halbherzig und im Zweifelsfall bin ich dann lieber mal wieder zurückgerudert.
Und so trug ich es lange mit mir herum, habe schon Ende der 90er das komplette Internet leergesurft und alle Informationen in mich hineingesaugt, um dann… NICHTS… zu tun.
Zumindest nicht mehr als lange Haare, haarlose Beine… „weil ich es so mag, aus sonst keinem Grund“, habe ich mir immer selbst gesagt

Irgendwann, nach jahrelangem Leben in der Traumwelt und Warten auf den Tag, an dem ich es endlich wagen würde, den ersten Schritt zu tun….
Irgendwann dann mein Entschluss: „Ich habe ja noch nicht wirklich versucht, als richtiger Mann zu leben… Wie kann ich da wissen, was ich will?“

Also: Haare kurz, Kinnbart wachsen lassen und dann mit Mitte 20 endlich mal auf die Suche nach einer Freundin machen. Die habe ich dann auch gefunden und alles war schön. Schließlich Familie, Kinder; gar keine Zeit mir Gedanken zu machen… Und dann hat mich das Thema doch immer wieder eingeholt. „Okay“, habe mich mir gesagt, „mich interessiert das Thema… Na und?“ „Okay“, habe ich mir gesagt, „ich wäre tatsächlich lieber eine Frau… Na und?“

Gezielt habe ich das Internet durchsucht nach Informationen und Seiten, die gegen Transition und Transsexualität wettern… Was ich von dort mitgenommen habe, möchte ich hier gar nicht wiedergeben. Sehr viele Vorurteile, dich ich von dort mitgenommen habe, die es mir auch erschwert haben.

Letztlich die Augen geöffnet hat mir meine Frau, die immer mal wieder einiges davon mitbekommen hatte. Und auch wenn sie sich Anfang des Jahres getrennt hat, weil sie Abstand brauchte und sich (leider) nicht vorstellen kann, mit einer Frau zusammen zu sein. Sie hat mir zugesichert, dass sie als Freundin immer für mich da sein wird. Tolle Frau! Wir werden sehen, wo es uns hinführt, aber wir kommen derzeit besser miteinander klar, denn je. Und auch mit den Kindern läuft alles super. Darüber bin ich sehr froh.
Sie hat mir auch beim „Outing“ im Bekannten- und Verwandtenkreis geholfen. Ich hätte damit ja noch ein wenig warten können. Aber die Reaktionen waren (fast) alle positiv. Wahnsinn!
Das hat mir sehr geholfen, mich mit mir auseinanderzusetzen. Und ich bin in mir auf große, steinerne Mauern aus Vorurteilen gegenüber mir selbst und Vorbehalten und Ängsten und Widerständen gestoßen. Die dann aber doch überraschend schnell eingerissen sind. Und dahinter kommt immer mehr die Wahrheit zum Vorschein. Eine Wahrheit, die mich auf der einen Seite ganz froh und euphorisch werden lässt. Die mich aber auch schon mal herunterholt.

Und dann bin ich ins Handeln gekommen:

  • Termin bei der Sprechstunde Transsexualität im LVR-Klinikum Essen.
    Ich fand’s hilfreich, weil ich zum ersten Mal mit jemandem „vom Fach“ ausführlich gesprochen habe. Aber alles in allem war ich doch etwas enttäuscht, weil im Prinzip nichts dabei herumkommt, außer 1. eine Therapeutenliste und 2. ein Arztbrief.
  • Termin bei der Hausärztin zwecks Überweisung dorthin. Total nette und positive Reaktion von ihr. Ich hoffe doch sehr, dass sie mir auch in Zukunft helfen wird.
  • Parallel Therapeutensuche, die bei mir sehr schnell abgeschlossen war. Danke, Frau Dr. für die Sitzung innerhalb von 2 Wochen. 2 Sitzungen sind bereits abgeschlossen
  • Termin beim Endo steht, wenn auch erst Anfang September. Naja, vielleicht sollte ich mir diese Zeit einfach noch gönnen, denn ich will ja nichts überstürzen. Auch wenn ich natürlich jetzt am liebsten mit einem Fingerschnippen…
  • Und mittlerweile auch einen Termin bei einer spezialisierten Frauenärztin. Da war ich vielleicht nervös am Telefon, wo ich doch schon so souverän war, nach all den anderen Telefonaten. Und vermutlich kann keine Cis-Frau nachempfinden, wie ich mich auf diesen Termin freue.

So, das ist bei mir der Stand. Ich bin gespannt, wer es bis hier geschafft hat .

 

Michaela

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