Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Outing in der Ausbildung

Autorin: Beccy-Jane

Hey liebes Arbeitervolk! Endlich gibt es was zu Erzählen.
Nach Langem hin und her überlegen, abwägen und Panik schieben, hab ich mich endlich dazu durchgerungen mein Outing am Arbeitsplatz in Angriff zu nehmen! Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich an die Sache rangehe. Da mein Bekannter ein Mitglied des Betriebsrats ist, habe ich ihn angesprochen und er hat den Betriebsratsleiter informiert.

Am Dienstag hatten wir dann ein Treffen zu dritt (Betriebsratleiter, mein Bekannter und ich). Ich war ziemlich nervös, doch gewillt die Sache durchzuziehen, also sprang ich ins kalte Wasser. Wir setzten uns an den Tisch, ich bekam einen Kaffee und dann ging´s los. Da er ja schon über den Grund informiert wurde hatte der Leiter erst mal 2 Tage recherchiert, was ich schon mal sehr cool fand. Wir sprachen über den Stand der Dinge (wie weit bin ich mit was), darüber was alles auf mich zukommt in meiner Transition wie das evtl. im Konflikt mit der Ausbildung stehen könnte etc. Nachdem ich die meisten Bedenken aus dem Weg schaffen konnte, überlegten wir wie es weiter gehen sollte. Wir einigten uns darauf ein Treffen mit der Geschäftsleitung und meinen Vorgesetzten zu organisieren,  welches dann in den nächsten Wochen stattfinden sollte. Nach fast 2 Stunden Gespräch verließ ich das Betriebsratsbüro und ging wieder an die Arbeit. Ich war erleichtert, dass alles so gut geklappt hatte und machte mir schon Gedanken für das „große“ Treffen.

Am Mittwochmorgen kam dann der BR-Leiter und meinte: „Also Morgen um 13:30 Uhr Treffen mit der Geschäftsleitung und Co.“
Ich fiel aus allen Wolken . Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Natürlich freute ich mich darüber dass es so schnell geht, andererseits wäre ich vor Panik beinahe umgekippt.

Der Donnerstag brach an und schon beim Aufstehen dachte ich bereits an das anstehende Treffen. Die Zeit flog und um halb 1 saß ich dann wieder im Büro des BR. Wir sprachen nochmal alles durch und warteten. Dann war es so weit, Geschäftsführer, Personalchefin, Abteilungsleiter und mein Ausbilder betraten das Zimmer. Mir schlug das Herz bis zum Hals und ich wäre am liebsten davon gerannt .
Da saßen wir nun und der BR-Leiter ergriff das Wort und erzählte was wir am Dienstag so alles besprochen hatten. Dann erzählte ich ein bisschen. Zu meinem Erstaunen wurde alles ziemlich locker aufgenommen. Wir unterhielten uns, es wurden dieselben Bedenken geäußert bezüglich Ausbildung usw. Ich versicherte dass die Ausbildung nicht darunter leiden wird und wir überlegten wie es weitergehen sollte, wie ich gegen evtl. Mobbing geschützt werden könnte etc. Wir vereinbarten dass wir uns in ein paar Wochen nochmal treffen, wenn ich aus der Schule zurück bin und mit meiner Therapeutin gesprochen habe. Dann wird geklärt wie meine Kollegen und die anderen Mitarbeiter informiert werden.
Alle waren sehr fürsorglich und entgegenkommend. Wenn es Probleme mit meinen Kollegen oder so geben sollte, solle ich sofort Bescheid sagen oder wenn durch HRT bedingt Stimmungsschwankungen oder sonstige Nebenwirkungen auftreten sollten, soll ich ebenfalls Bescheid geben, damit meine Vorgesetzten nicht denken ich hätte auf einmal kein Bock mehr auf meine Ausbildung. Nach einer Stunde war das Gespräch zu Ende. Als sie alle das Büro verlassen hatten, sackte ich erstmal auf meinem Stuhl zusammen .

Ich war so erleichtert und glücklich. Sämtliche Spannung und Anspannung wich aus meinem Körper. Der große Schritt war getan. Jetzt wird mich nichts mehr aufhalten!!! Das Versteckspiel hat endlich ein Ende und ich kann endlich „FREI LEBEN“ und meine Transition ohne Bedenken durchziehen! Ich bin jetzt schon gespannt wie meine Kollegen darauf reagieren werden und ob sie damit klarkommen. Aber was auch geschieht es wird mich nicht aufhalten mein LEBEN zu GENIESSEN .

Ich bin froh dass ich ein so schönes und positives Ereignis mit euch teilen kann und hoffe, dass es vielleicht Anderen hilft und Mut gibt zu sich selbst zu stehen auch bei der Arbeit .

Ich werde natürlich berichten, wie es weiter geht bzw. wie meine Kollegen reagieren wenn es soweit ist.
Liebe Grüße Eure BJ

>> Trans* am Arbeitsplatz

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