Aktuelle Artikel im Gendertreff Magazin

Hallo Welt, 25.01.2017

Autorin: Drachenfrau



Es ist mal wieder an der Zeit, etwas über unseren Weg zu schreiben.

Bei uns geht es wieder mit großen Schritten weiter, die sich soweit auch passend anfühlen, was jetzt allein Denies Entwicklung betrifft. Sie hatte gestern ihren ersten Termin bei einem Endokrinologen und wird zum nächsten Termin Mitte Februar dann auch das erste Rezept erhalten. Seit einer Woche weiß ich nun auch, dass Denies die GaOp anstrebt. Lange hat sie sich schon damit auseinander gesetzt, sich unzählige Beiträge durchgelesen und Dokumentationen dazu recherchiert, was ich selbst wenig mitverfolgt habe, denn im Grunde ist es ihr Weg, der ihre Verantwortung ist. Wir haben uns allerdings ausgetauscht und wenn mir Fragen offen bleiben würden, kann ich für mich selbst recherchieren. Manchmal ist mir das ganze Transthema zu viel und ich brauche das einfache Leben, wie es ist in seiner puren Realität.

Mein Profilname hier ist kein Zufall, sondern ich habe wirklich das Gefühl, dass unsere Veränderung in mir den Drachen weckte und immer mehr zum Vorschein bringt, mich selbst noch einmal in einen eigenen Prozess hinein brachte, für den die Zeit auch absolut reif war. Es gilt in meinem Leben noch einmal ordentlich aufzuräumen. Ganz alte Themen, die unbewusst unterdrückt waren, drängen nun mächtig an die Oberfläche. Vor allem, dass ich in meinem bisherigen Leben davon geprägt war, von klein auf, Wut nicht ausleben zu dürfen. Das wurde mir in meiner Erziehung bei jeder Gelegenheit genommen und nun erobere ich mir dies zum ersten Mal.

Zwar schreibt sich das so leicht, doch das ist es nicht immer. Die Herausforderung ist groß.
Ausgerechnet meine Mutter brachte Anfang Dezember das Fass zum Überlaufen und zwischendrin nehme ich auch kein Blatt vor den Mund mehr, was ich vielleicht vor einem halben Jahr noch getan hätte. Bisher war ich schon ein direkter Mensch, doch ist das bei mir zurzeit auch noch in der Steigerungsphase.
Wut und Schmerz, was bisher unterdrückt war, zeigte sich letzte Woche auch durch einen Schreikrampf bei mir. Auslösender Knopf war, dass ich wieder etwas Denies betreffend fand, was mich einlud, wieder mehr los zu lassen. Erinnerungen kamen hoch, die mich in Tränen versetzten. Ich warf es weg und machte dann den „Fehler“ weiter ausmisten zu wollen. Dabei fand ich eine alte Schreibmappe meines verstorbenen Vaters. Nichts Besonderes, doch ich hatte es bisher noch nicht über mich gebracht, sie wegzuwerfen. (Ich habe so einen Schreibkram-Papier-Stifte-Knall).
Noch immer kann ich nicht verstehen, dass diese einfach Mappe es auslösen konnte, dass sich ein riesen Fass bei mir auftat und doch da war es, ganz viel Schmerz und Wut. Das kam zusammen hoch durch einen lang anhaltenden Schreikrampf bis ich nicht mehr konnte. Denies war zu hause, kam herbei geeilt und konnte mir nur beruhigend über den Rücken streichen. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich dies erfuhr.
Das Schreien und Schluchzen hörte irgendwann auf, doch die Tränen versiegten nicht. Sie kullerten hoch bis ich schlafen ging, blieben den ganzen nächsten Tag bei mir. Ich fand irgendwie die Inspiration meinen Morgengang mit den Walking Stöcken zu machen, doch der war begleitet mit einem Tränenschleier und war relativ kurz.
Obwohl ich mich fertig fühlte und darüber nachdachte, ob ich zum Arzt gehe, war da auch ein Gefühl von Erleichterung in mir, als hätte mich dieses Schreien von etwas befreit.
Am nächsten Tag stand ich auch wieder mit Tränen auf, ging auch wieder auf meine Morgenrunde und diesmal fühlte ich mich ein wenig besser dabei. Gegen Nachmittag wurden die Tränen auch weniger und fand dann doch wieder Balance. Diese Erfahrung hat mir sehr zu denken gegeben.

Sicher, Denies braucht auch meine Unterstützung – doch ich brauche in erster Linie mich selbst. Sich alten Themen annehmen zu können, auch das braucht Kraft.

So gut es auch ist, das Leben aufzuräumen und an alten Themen zu arbeiten, das Leben braucht auch frischen Wind. An diesem frischen Wind arbeite ich jetzt und bringe nun auch neues in mein Leben.

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