DIAGNOSE

In Deutschland richtet sich die Diagnose der Transgendereigenschaft nach der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, kurz ICD. Die ICD wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegeben und gilt als wichtigstes Diagnoseklassifikations- und Verschlüsselungssystem. Ärzte und medizinische Einrichtungen sind in Deutschland verpflichtet, Diagnosen nach der ICD zu verschlüsseln. Die jeweils aktuelle Version der ICD kann auf der Webseite des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information eingesehen werden.

Nach dem bisherigen ICD-Diagnoseschlüssel (ICD-10) wird die Transgender-Eigenschaft als Störung der Geschlechtsidentität (Diagnoseschlüssel F64) bezeichnet.

Der Begriff „Geschlechtsidentitätsstörung“ wird von vielen Transsexuellenorganisationen als unwissenschaftlich und unbewiesene Erfindung aus der Psychoanalyse kritisiert. Demnach würden wissenschaftliche Erkenntnisse vernachlässigt, nach denen weder Geschlechtschromosomen noch Genitalien eines Menschen eine eindeutige Aussage über das eigentliche Geburtsgeschlecht eines Menschen machen können. Da das biologische Geschlecht sehr komplex sei, sei die Darstellung der Psychoanalyse, nach der die Psyche von Trans*-Personen von einem „biologischen Geschlecht“ abweiche nicht haltbar. Ebenso wird die daraus resultierende Abwertung der Transidentität als psychische Störung kritisiert.

Kritiker sehen den Begriff „Geschlechtsidentitätsstörung“ zudem als Hauptauslöser für weltweite Transphobie, Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen. Hier wird vor allen auf die Gefahr verwiesen, dass viele Staaten in ihrer Gesetzgebung unwissenschaftliche Geschlechterklischees übernehmen, die indirekt oder direkt mit ideologischen Begriffen wie der Geschlechtsidentitätsstörung oder Geschlechtsumwandlung in Verbindung zu bringen sind.

Aus eigener Beobachtung des Gendertreff  lässt sich zumindest konstatieren, dass sich Transgender in ihrer eigenen Wahrnehmung nicht als psychisch krank oder verhaltensgestört empfinden. Die Einordnung in das ICD-Diagnosesystem (ICD-10) unter das Kapitel „Psychische und Verhaltensstörungen“ (F00-F99) bzw. die Rubrik „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ (F60-F69) erscheint insofern problematisch.

2018 veröffentlichte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die ICD-11. Die ICD-11 wurde 2019 durch die  Weltgesundheitsversammlung (World Health Assembly, WHA) verabschiedet. Leider sind noch keine Aussagen über den Zeitpunkt einer möglichen Einführung der ICD-11 in Deutschland möglich.

Eine für transidente Menschen neue Abteilung beschäftigt sich mit Störungen der sexuellen Gesundheit. Dazu gehören neben Libido- und anderen sexuellen Funktionsstörungen auch Geschlechtsidentitätsstörungen, die bisher unter den mentalen Störungen eingeordnet werden, was nicht mehr zeitgemäß ist. Das bedeutet, dass die Transidentität nicht mehr als psychische Störung angesehen wird sondern als „Geschlechtsinkongruenz“ (Nichtübereinstimmung oder Nichtzusammenpassen).

Geschlechtsinkongruenz steht somit als das neue offizielle Wort für Transsexualität/Transidentität. Bei transidenten Menschen stimmen das körperliche und das seelische Geschlecht nicht überein, sie sind also „inkongruent“. Es gibt Frauen mit einem Männerkörper (Transfrauen) und Männer mit einem Frauenkörper (Transmänner).

 

Geschlechtsinkongruenz:
Das Geschlechtsidentitätserleben stimmt nicht mit den Geschlechtsmerkmalen überein aber es besteht kein Leidensdruck. Das bedeutet, dass keine medizinischen Maßnahmen notwendig sind.

Geschlechtsdysphorie:
Das Geschlechtsidentitätserleben stimmt nicht mit den Geschlechtsmerkmalen überein aber es besteht ein Leidensdruck. Das bedeutet, dass medizinische Maßnahmen notwendig sind.

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